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Tuesday, July 19, 2016

impulstanz 2016 – Tagebuch 1: JAHRHUNDERT-ERÖFFNUNG MIT DER KÖNIGIN DER ZEITGENOSSEN: MAGUY MARIN UND „BIT“


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BiT ... Das menschliche Zusammenleben ist ein beschwingter Volkstanz, wo alle gleichberechtigt im Kreis tanzen ...

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... oder doch eine Schlange bilden, und einer der Anführer ist: dessen Qualität bestimmt weder, ob er ein Mann, noch, ob er eine Frau ist, sondern dessen Gefühl für das verantwortungsvolle Miteinander in einer gesunden Welt. (Fotos © Hervé Deroo)
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Ganz schön unheimlich.



14.7., 22h30, im Wiener Volkstheater:

Ist es nun ein polarisierter
oder ein tosender Applaus?

Auf jeden Fall ist er verdient.

Die Französin, Maguy Marin,
verleiht
mit BiT
im Wiener Volkstheater
dem europäischen Aushängeschild
für zeitgenössischen Tanz,
dem österreichischen ImPulsTanz
seinen gebührenden Glanz.
Das ist nicht selbstverständlich.
Letztes Jahr war das Hungerjahr,
da konnte man zusehen,
wie ein ausgemergeltes Festival dahin siecht.
Als Anhängsel der bildenden Museumslandschaft.
So etwas zu verantworten,
ist ein kulturpolitisches Armutszeugnis.
Tanz ist eine eigenständige Kunstrichtung,
kein Beiwerk,
weder des Musiktheaters,
noch der Bildenden Kunst.

Davon überzeugen kann man sich jetzt, 2016:
schon an den ersten drei Festivaltagen
nach Marin
auch mit den Größen
De Keersmaeker und Vandekeybus.



Leider war Maguy Marin  bisher nicht oft bei ImPulsTanz zu Gast:
1997 mit May B – da war ich gerade mit meinem Publizistik-Theaterwissenschaft-Studium fertig und noch kein ImPulsTanz-Besucher.
2006 mit Umwelt. - Das sah ich mit dem wunderbaren Ballett-Choreografen Giorgio Madia. Wir waren „beide“ unendlich beeindruckt. Das ist bei Giorgio in zeitgenössischer Hinsicht so gut wie unmöglich. Diesen Insider zu begeistern, muss also auf echter Leistung beruhen.
Als 2009 neben dem wiederholt gezeigten Umwelt die Stücke May B und Description d´un combat dargeboten wurden, konnte ich zu meinem großen Bedauern leider nicht ins Theater gehen, da ich im Mai gerade mein Kind bekommen hatte. Allerdings wurde mir die Ehre zuteil, mit Maguin Marin ein Telefoninterview für die Falter-ImPulsTanz-Beilage zu machen. Ein sehr gutes Interview übrigens. (Ich muss – endlich mein „Best of“ veröffentlichen!)



Deshalb freute ich mich heuer wahnsinnig auf die Compagnie Maguy Marin. Und auch jetzt, am Ende, von BiT, im Hall des Applauses, ist sie für mich das Gesicht, die Königin des zeitgenössischen Tanzes schlechthin. So nimmt man dieses Genre ernst, weil man merkt, dass hier eine Choreografin arbeitet, die es ebenso ernst angeht. Zumindest hat man bei ihr nicht das Gefühl, dass sie viel nebenbei produziert. Weil ihre Werke in der Regel so verinnerlicht und präzise umgesetzt werden und dabei trotz makabrer Schwere in der Aussage musisch leicht erscheinen. Daran muss sie lange gearbeitet haben.

Über ihre Tänzerpersönlichkeiten sagte sie im Interview: „Brillante Performer und Tänzer, die entschlossen und schnell zum Punkt kommen, mochte ich nie. Und ich war selbst auch nie so. Wenn die Leute viel arbeiten, um irgendwohin zu gelangen, und es manchmal nicht schaffen, rührt mich das viel mehr: wenn der Mensch an seinem äußersten Schwächepunkt angelangt ist.“ – Von Schwäche im Ausdruck und in der Körperarbeit kann bei diesen Tänzern jedoch keine Rede sein. Selten sieht man derart charismatische Individuen, die gleichsam im Detail vollendet synchron erscheinen. „Jeder Mensch ist innerhalb der Gruppe anders. Deshalb tun auf der Bühne alle dasselbe, in derselben Geste sind sie aber ein bisschen unterschiedlich. Das mag ich: dasselbe, aber anders“, so Marin. „Dafür brauche ich die Mischung des klassischen Ballettsoldaten und des individuellen Zeitgenossen.“


Vom menschlichen Zusammenleben dieser Welt

 

Die sechsköpfige Tänzergruppe
- Ulises Alvarez, Daphné Koutsafti, Francoise Leick, Cathy Polo, Ennio Sammarco, Marcelo Sepulvedo –
steht in BiT (Uraufführung 2014)
für die Gemeinschaft der Menschen,
für deren Zusammenleben in sexueller Hinsicht
sowie im Team.
„Bit“ bedeutet auf Französisch ausgesprochen „Beat“
und andererseits meint es „bite“,
auf derbe Art den männlichen „Schwanz“.

Diese Gesellschaft (die man sich hinsichtlich der Vertrautheit auch gut bei einem Pariser Abendessen vorstellen könnte, wo sich drei
einander dreißig Jahre kennende Paare um die großteils 50 Jahre (!) wieder einmal treffen) wandelt bei durchgehend lautem rhythmisierendem Technobeat
über, unter und vor sechs schräg aufgestellten metall-bemalten Bretterebenen:
den steilen Lebenswegen eines jeden.

Sie halten sich meist an einander fest, schritttechnisch wie im französischen Volkstanz Farandole, jedoch mit der griechischen Syrtaki-Attitüde eines Anthony Quinn alias Alexis Zorbas, insbesondere, wenn die Männer zu Beginn des Stücks am Anfang und am Ende der Schlange stehen.
Das heißt: schon hier nehmen die Herren der Schöpfung die großgestisch tonangebende Rolle ein, was sich in den sexuellen Paarszenen noch einmal konkretisiert. Sie gehen ihre Schritte zunächst zeitangehalten, schleichend schwebend und leichtfüßig, trotz des bergigen Auf-und-Abstiegs. Mit steigender Beschwingtheit entledigen sie sich in wilden Wurfgesten des einen oder anderen Kleidungsstücks.

Bis ein Mann und eine Frau zurück bleiben, ein intimes Paar, wie es scheint, wo der Mann das Liebesgeschehen emotionslos verläßt, als hätter er gerade sein Geschäft verrichtet. Steigerung erfährt diese schale Emotion durch ein verse/chs/xt/fachtes Körperhybrid, das von einer Holzschräge auf rotem Teppich rutscht. Daraus schälen sich zwei, nur mit String-Tanga bekleidete Männer in Amphibien-Stellung heraus. Sie rivalisieren und bedrohen einander wie zwei Eidechsen vor der Begattung, die für gewöhnlich der Lohn der Anstrengung ist.


In mystischer Atmosphäre und in schneller Abfolge huschen plötzlich zwei religiöse Kuttenträger hervor, abgelöst von einer symbolischen Männer- sowie Frauenfigur, geschlechtsspezifisch betont durch schwarzes Gewand und jeweils weißer Maske. Drei Weberinnen in Kleidern mit Glockenröcken betonen die historisch gewachsene, traditionelle Rolle der Frau. In Folge besteigen und schänden fünf Mönchsgestalten nach einander in Missionarsstellung eine Frau, die das Geschehen regungslos über sich ergehen
lässt.

Eine Unmenge an Gold schmettert von einer Ebene herunter. Worauf eine glitzernde Partygesellschaft folgt. Bemerkenswert sind die nach Pumps nun Stöckelschuhe tragenden Frauen, die den steilen Berg, wie zu Beginn, in der Farandole-Syrtaki-Schlange herab tanzen, ohne zu stolpern. Und noch ein Unterschied ist auffällig: die Gruppe wird jetzt von einer „Anführerin“ sowie von einem "weiblichen" Schlusslicht geleitet, die ebenso großgestisch agieren wie zuvor die Männer.


Wir scheinen uns also in der fortgeschrittenen Gegenwart zu befinden. Der Gruppentanz wird immer übermütiger und ausgelassener, bis eine Frau aus Versehen hinterrücks von der Ebene fällt. Eine zweite Person stürzt ebenso unabsichtlich hinunter. Die weiteren springen nach einander wie die Lemminge hinter her. Mit dem letzten „Selbstmörder“ werden abrupt Ton und Licht abgedreht. Was für ein effektreiches Ende!



Was lässt sich daraus lesen: die kapitalistische Dekadenz von heute hat zu keiner Gleichberechtigung der Geschlechter und Menschen geführt. Und ob dieses Ziel überhaupt das Ziel ist, das die Heilung bringt, ist fragwürdig. Alles, was man und frau tun kann, ist: nach eigenem Gutdünken, jedoch mit Umsicht auf die anderen so verantwortungsvoll wie möglich die individuelle Bergwanderung des Lebens erklimmen. Um nicht vorzeitig abzustürzen und andere dabei mitzureißen.


Wie unheimlich!



14.7. 22h45, in Nizza,
da, wo die Schickeria Frankreichs verkehrt.

Ein 31-jähriger Tunesier
reißt im Namen der Terrororganisation IS
mit einem LKW 84 Menschen in den Tod
und verantwortet 200 zum Teil Schwerverletzte.
Angeblich wurde er erst vor kurzem radikalisiert;
er tat es für Geld, das er zuvor seiner Familie zukommen lassen hatte,
die ihn auf Initiative der Ehefrau wegen seiner Brutalität verlassen hatte.
– Was ist bei diesem "Lemming" schief gelaufen?
Auf jeden Fall liegt das Dilemma auch hier
in Marins grundlegender Weisheit,
die sie aus Samuel Beckett gewonnen hat:
„Die menschlichen Beziehungen messen sich
andauernd an der Macht des Stärkeren.“
  e.o.



DAS URTEIL STÄRKER UND EDLER LÄSST SICH EIN ZEITGENÖSSISCHES TANZFESTIVAL KAUM ERÖFFNEN. MAGUY MARIN IST MIT IHREN 65 JAHREN WEISER ALS METHUSALEM UND MUSISCHER ALS APOLLO, (MUSIK-)ÄSTHETISCH UND IN SACHEN SUJET-RADIKALITÄT JEDOCH MUTIGER ALS JEDER NEWCOMER. WENN DER ZEITGENÖSSISCHE TANZ EIN GESICHT HAT, DANN TRÄGT ER DAS IHRE.


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TANZ BiT * Choreografie und Regie: Maguy Marin * Mit: Ulises Alvarez, Daphné Koutsafti, Francoise Leick, Cathy Polo, Ennio Sammarco, Marcelo Sepulvedo * Musik: Charlie Aubry * Ort: Volkstheater Wien * Zeit: 14.7.2016, 21h
 

Tuesday, December 04, 2007

FILM: "LIEBESLEBEN" VERFILMT VON MARIA SCHRADER NACH SHALEVS SEXROMAN

Jara (Netta Garti) hat einen einfühlsamen Ehemann (Ishai Golan): da sie das Gegenteil noch nicht kennenlernte, weiß sie aber nicht, was das eigentlich wert ist ...

So lässt sie sich vom geheimnisumwitterten, viel älteren Arie (Rade Sherbedgia) auf ein Sexabenteuer der völligen Entmachtung ein ...

... und lernt sich selbst und ihre wahren Liebes- und Lebensbedürfnisse kennen. - Der nächste, geeignete Partner wird somit wohl zwischen einem Arie und einem langweiligen Joni liegen. (Screenshots © Filmladen Filmverleih)


JETZT IM KINO SEXUELLE ERNIEDRIGUNG UND MENSCHLICHE ENTMACHTUNG ALS SCHLÜSSEL ZUR BEWUSSTEN LEBENSGESCHICHTE EINER FRAU - MARIA SCHRADER HAT DEN BESTSELLER DER ISRAELISCHEN AUTORIN ZERUYA SHALEV REIZVOLL VERFILMT

Sucht sich eine zunächst noch subjekthafte Frau einen Mann, der sie demütigt, unterwirft, der sie - über die spielerische Schlafzimmer-Ebene hinaus - zum willenlosen Objekt degradiert, dann stimmt mit ihr wahrscheinlich psychisch etwas Fundamentales nicht. Es könnte aber auch sein, dass sie mit ihrem Leben unterbewußt unzufrieden ist, weshalb dieser Mann es gewaltsam zerstören muss. Ihr selbst fehlt dafür wohl der Mut. In direktem Sinne. Dieser Mann muss sie indirekt zwingen, "als Nichts" von Neuem zu beginnen, weshalb "so ein Mann" nur Mittel bzw. Weg sein wird und nicht bleibender Teil des Neuen.
Bei einer sehr jungen Frau hingegen mag diese Machowahl instinktiv begründet sein. Indem Neugierde und Abenteuerlust sie drängen, die äußersten Grenzen der erotischen Hingabe erfahren zu wollen, einschließlich des provozierten Tränenmeers, des Risikos, sich selbst irgendwann abgrundtief zu verachten. Mancher Frau wird das wiederum helfen, um zu begreifen und für die Zukunft auszuwägen, worauf es ihr für "ihre" echte Liebe oder überhaupt "ihre" persönliche Lebensgeschichte tatsächlich ankommt. Manche könnte darüber als Mensch aber auch endgültig zerstört sein.

Abenteuerin und Ausbrecherin in einer Frau

Die im deutschen Raum gefeierte Schauspielerin Maria Schrader hat nun in ihrem Regiedebut mit dem deutsch-israelischen Spielfilm Liebesleben, basierend auf dem gleichnamigen Bestseller der Israelin Zeruya Shalev, beide Frauentypen in einer Figur vereint: Jara repräsentiert durch die Schauspielerin Netta Garti sowohl die instinktive, junge Abenteuerin, als auch die reifere, etwa 30-jährige Romanheldin, die sich bewußt treiben und führen lassend ausbrechen will. Und wundersamer Weise erscheint Jara im Film dadurch samt ihres Abenteuers mit dem ca. 25 Jahre älteren Mann Arie (Rade Sherbedgia) sympathischer, positiver, angenehm anregender als Jara im Roman. Da sich die demütigende Erfahrung als klare, abschnittsbezogene Lehrphase zur eigenen Erkenntnis heraus schält, während sie im Buch unterschwellig zum Ideal eines aufregenden Sexuallebens-an-sich hoch stilisiert wirkt. Dieser Eindruck könnte allerdings auch daher rühren, dass die Leseerfahrung viel ausgedehnter, detaillierter, länger stattfindet, als die Sichtung eines 109-minütigen Spielfilms, selbst wenn zu dessen schöner Atmosphäre eindeutig introspektiv-aufregender Kamera- und Rhythmusstil beitragen.

Der ältere Mann und die Abenteuerin

Dass Laras Leben an der Kippe zum Aufbruch steht, erkennt man zu Beginn, nachdem ihr Arie, der aus Frankreich heim nach Israel gekehrte Jugendfreund ihrer Eltern, über den Weg rennt. Er verwirrt und zieht Lara sofort an; er schürt ihre Neugierde noch, da auch ihre Eltern große Bewunderung für ihn hegen. Mit seiner Anarcho-Selbstshow repräsentiert Arie den intellektuellen und ästhetischen Lebenskünstler, der über den provinziellen, kleinkarierten Menschen in engem Familienverbund steht. Jara studiert an der Universität Vergleichende Religionswissenschaft, mit Aussicht auf eine Assistentenstelle, was jedoch davon abhängt, ob sie ihre Diplomarbeit anfängt. Und wie in ihrem Eheleben mit dem liebevoll-aufmerksamen, aber uninteressanten Joni (Ishai Golan) alles ohne Leidenschaft und Ziel dahin läuft, weiß Lara auch hier nicht, worüber sie schreiben "muss". Sie lässt sich daher ablenken, von Arie, dem sie in einem Modegeschäft, wo sie sich zufällig begegnen, gleich mal in einer Umziehkabine an sein bestes Stück greift, wonach sie ihn in seinem Haus aufsucht, und er sie ohne Vorspiel von hinten nimmt und danach rausschmeißt. "Das war nicht gut für mich!", schreit Jara auf der Straße, und damit beginnt nun das rätselvolle Spiel.

Der Schlüssel zur eigenen Lebensgeschichte

Wie dringend Lara etwas Bestimmtes sucht, zeigt bereits die Szene, in der sie sich egoistisch und verlogen nach dem Unfalltod der geliebten Katze ihrer Freundin verhält, den sie mitverantwortet hat. Sie lässt von ihrem Weg ins Abenteuer keine Sekunde ab, alles, was zählt, sind ihre angstvollen Ohnmachtsvorstellungen in subjektiver Kamera. Jara "will" den Boden unter den Füßen verlieren, obwohl ihr dieser geheimnisvolle Fremde sagt, "bleib bei dem, was du hast". Doch sie lässt sich nicht stoppen und fährt mit Arie über eine einsame Wüstenlandschaft zu einem Hasch-Freund, bei dem Lara zu Dreiersex gedrängt wird - da jener Freund sie als Tochter ihres Vaters erkennt, schämt sie sich zutiefst. Als Anonyme hätte sie das Erlebnis möglicherweise von sich entfernt lustvoller erfahren können, als "Identität" ist es ihr peinlich. - Ein weiteres, negatives Indiz, sich als Selbst mit Wunschgrenzen künftig zu positionieren. Der gelangweilte Arie weiß die ganze (von ihm initiierte) Aktion jedoch nur so zu erklären: "Du bist hungrig, und ich bin satt." Desillusioniert zeigt sich Lara darauf hin eine innere Vison von sich selbst, in der sie blutig überfahren am Straßenrand liegt.

Die Ernüchterung im Entmachtungsrausch zwischen Selbstunsicherheit und Seinswunsch eskaliert, als Arie bei sich zuhause ein Fest organisiert und Laras Eltern einlädt, während er die junge Frau im Schlafzimmer eingesperrt hält, ihr Vater durch einen Zufall aber dennoch registriert, dass sie bei seinem Freund gerade ihren Ehemann betrügt. Und damit wiederholt sich ein Spiel, das seinen Ursprung bereits viel früher nahm. Denn als Höhepunkt der Verletzung muss Lara erkennen, dass es Arie gar nie um sie gegangen ist, sondern um seine "einzig wahre Liebe": Laras Mutter. Sie verließ ihn einst, weil er keine Kinder zeugen kann. Die ganze Affaire erklärt sich somit als religiöses Urthema von der elterlichen Schuld, die sich auf die Kinder übertragt: als traumatisches Erbe. Das ist Schuld und Sühne in Sippendimension. Aber auch psychologisch wahr. - Immerhin weiß Lara am Ende: "Es ist nicht wichtig, dass du mich liebst. Denn ich weiß jetzt, worüber ich schreiben will." In Laras Fall könnte man (im Film) daher durchaus von einem Happy End sprechen ... e.o./a.c.

Regisseurin Maria Schrader ist demnächst im Exklusiv-Gespräch auf intimacy: art in artists / talks zu lesen und zu hören


DAS URTEIL DER FILM IST BEI TOLLER KAMERA WEITAUS ANGENEHMER ZU ERTRAGEN ALS DAS BUCH - AUCH WEIL LARA AUS DEN SEXUELLEN DEMÜTIGUNGEN LERNT UND DAMIT ERNST ZU NEHMEND SYMPATHISCH IST.

FILM Liebesleben * Regie und Co-Drehbuch: Maria Schrader * Roman: Zeruya Shalev * Filmverleih: Filmladen * Produzent: Stefan Arndt, Andro Steinborn, Marek Rozenbaum * Mit: Netta Garti, Rade Sherbedgia, Ishai Golan, u.a. * Deutschland / Israel 2007 * Kinostart in Österreich: 7.12.2007

Tuesday, November 20, 2007

FILM: PHILIPPE RAMOS FASZINIERT MIT HEUTIGER "CAPITAINE ACHAB"-POESIE

Der Junge Ahab (Virgil Leclaire), der getrieben ist, von der Suche nach der Mutter, die ihm nichts hinterließ als die Bibel ...

... transformiert seine Suche in die Jagd nach dem Wal, die ihn bei grausamer Umwelt zum grausam-fanatischen Mann (Denis Lavant) zeichnet.










Eine schöne Parallele von Regisseur Philippe Ramos, der seine eigene Sexfantasie und Romantik von Mann, Frau und Mensch in seinem Captain Ahab spürbar einarbeitet.



VIENNALE - DAS WIENER FILMFESTIVAL GEHT SO SCHNELL VORBEI, DASS MAN DIE BESTEN FILME BEINAHE ÜBERSIEHT: DER HEKTIK ZUM TROTZ DENKEN WIR NOCH AN DAS FILMHIGHLIGHT VON PHILIPPE RAMOS: CAPITAINE ACHAB - KEIN MÄNNER-, SONDERN EIN MENSCHENFILM!

Capitaine Achab des 1964 in Vaucluse, Frankreich, geborenen Regisseurs Philippe Ramos, war bestimmt einer der gelungensten Filme, auf alle Fälle aber "der" überraschungsreichste Film der Viennale. Weil er vor und während des Anschauens jeder Erwartung entgegen läuft und dabei eine absolut eigenständige und neuartig glaubwürdige Filmpoesie an den Tag legt. Die Poesie geht Hand in Hand mit einer inhaltlich unterschwelligen Revolutionsaussage, die so subtil verfeinert überbracht wird, dass sie kaum über die Suggestion hinaus ins Bewußtsein des Betrachters gelangt. Bei all den kunsthistorischen, eher an der antiken Malerei und griechisch-biblischen Literatur orientierten Bezügen, drängt sich zunächst nur archaisches Staunen in das prinzipiell durchgehend romantisierte Gefühl des Zusehers, dem selbst die allzeit-gültige realistische Härte verkommener Gestalten nichts anhaben kann.

Von Gott zur Umwelt

Offensichtlich schöpft dieser gelungene Film aus einer charakterlichen Übereinstimmung des Regisseurs Ramos mit dem amerkanischen Autor Herman Melville des Urromans Moby Dick (1851): in der Erzählensart, im ästhetischen Empfinden, in der Sicht auf die Welt in literarisch-musischer Überhöhung. Nur dass Ramos viel psychologischer, mit größerer "Sorge" an die Hauptfigur, Kapitän Ahab, herangeht, als wäre sie eine "noch" beeinflußbare Person. Das ist auch das, was das Mythos vom typischen "Heldenbild" des bis zum Tod zwischen Kampf und Sieg getriebenen "Mannes" (Menschen) bricht. Stand Melvilles Roman somit für eine Glaubensdebatte zwischen Gut und Böse, Religion und (böswilliger) Natur im menschlichen Leben, so erweitert sie Ramos in seinem Film um konkrete Umstände, die den Menschen zu dem machen, was man im Allgemeinen als "kriminell" oder "abnorm" verurteilt.

Kunstgeschichtliche Symbole in literarischer Filmsprache

Diese Erkenntnis verläuft aber, wie gesagt, ganz unterschwellig: im Vordergrund steht eine literarisch unterteilte, in antiker Szenenmalerei eingerichtete, mit Filmmedallions abgeblendete Filmerzählung. Einzelne Kapitel stehen für die fantasievoll ausgedachten Lebensabschnitte, die Ahab als Kind, jungen Erwachsenen und am Ende geprägt haben könnten - es wird alles detailliert bis auf den lediglich kurzen, tödlichen Walfang Ahabs geschildert - der in Melvilles Buch doch so dominierte, sodass es schlichtweg für das Abenteuer, die unerschrockene Männlichkeit stand. Die Geschichte erzählt auch kein Matrose wie bei Melville, sondern Leute, die Ahab in den Lebensphasen am intensivsten begleiteten, eröffnen ihren subjektiven Blick auf die Figur, was jeweils andere Musik - von Klassik bis zu modernem, amerikanischem Folksong - unterstreicht. (Die Musik ist übrigens mit so viel Geschmack ausgesucht, dass die Akustik für sich selbst ein Genuß ist.) Kostüme und Filmatmosphäre sind historisch, sodass die Poesie auch optisch greifen kann.

Der Autor hinter grausamen Männern, weiblichen Sexobjekten

Maßgebend exklusiv und neu machen den Film aber Philippe Ramos´ - ihn als Autoren-Persönlichkeit auszeichnende - "Bemerkungen", seine eingeschobenen, philosophisch deutbaren Symbole, die an Radikalität grenzen: Anfangs irritiert eine pornografische Kamerafahrt mit Nahaufnahme auf Haut, Scham, Busen und Körperwölbungen einer nackt-liegenden Frau, was die spätere Jagd nach dem Wal erklärt, der für den Autor genau dieselbe (gefühlte) Form hat. Sie steht für die Mutter, die Ahab schon als Kind verlor, die ihm eine Bibel hinterließ. In der Folge begegnen dem Jungen nur grausame Männer: sein Vater, der seine Geliebte schlägt, weil jene hinterrücks vor idyllischem Esel in freier Natur - wohl einem Schäfer-Sexbild entnommen - einen Musiker verführt, der sie nach kurzer Liaison verlässt, nachdem er Ahabs eifersüchtigen Vater umgebracht hat. Henry, der Geliebte seiner Tante, schlägt Ahab, um ihn zu züchtigen, sodass der Bub - einen Hund tötend - seinen eigenen Mord vortäuscht und abhaut. Zwei betrügerische Gauner schlagen ihn auf der Flucht halbtot; und ein Pfarrer zwingt ihn danach, in der Kirche aus der Bibel zu lesen, worauf der Junge abermals weiter zieht - er geht zur See.

Die Frau im Wal, im Wald - eine Männerfantasie

Der "willensstarke, harte Mann" wird Ahab demnach die Jugend über vorgelebt, während ihm die "Mütter" abhanden kommen: so sagt Ahab schon als Kind ganz eisern: "Wenn du etwas willst, kannst du es möglich machen!" Erst als er mit furchig verlebtem Gesicht und mit abgetrenntem Bein (das er bei der, nicht gezeigten Jagd nach dem Wal verlor) so geschwächt ist, dass er nicht mehr weiter kann, begegnet er der ihn pflegenden "Anna". Im poetischen Dialog von ihm, "als Mann der See", und ihr, "als Frau der Wälder", scheint sich seine Suche nun in beidseitiger Symbiose aufzuheben, doch zieht es Ahab abermals fort... Seine Wunde am Bein öffnet sich gleich dem Ruf des Wals. Zur Urmutter, so wie das französische Wort für das Tier weiblich "La Baleine" lautet.

Mit Dokueinschüben historischen Walfangs und dem amerikanischen "What shall we do with a drunken sailor" schließt der Film in poetisch-archaischer Note: Ist Moby Dick in der Nähe, riecht Ahab "Wald" und damit den Bauch der Mutter, in dem er letztich seinen Frieden findet. - Sollte also das Schicksal über den Willen des Menschen siegen, muss es erst vor der ewigen Männer- und Frauensehnsucht von der Umwelt geprägt worden sein, selbst wenn sich der Wille noch so dagegen wehrte. e.o./a.c.


Philippe Ramos ist im Gespräch mit der Regisseurin von Lady Chatterley, Pascale Ferran (für Kritik scroll down, bzw. click October 2007-Archiv), demnächst auf intimacy: art in artists/talks zu lesen und zu hören.



DAS URTEIL PHILIPPE RAMOS IST NICHT NUR EINE AUSNAHMEERSCHEINUNG ALS REGISSEUR. ER STEHT AUCH FÜR DIE GENERATION DER NEUEN SEHNSUCHT NACH POESIE IM ZEITGENÖSSISCHEN FILM. UND DAS KANN TATSÄCHLICH OHNE JEDEN KITSCH GESCHEHEN - EIN MEISTERFILM!

FILM Capitaine Achab * Frankreich 2007 * Regie, Schnitt, Co-Ausstattung: Philippe Ramos * Buch: Philippe Ramos nach Motiven von Herman Melville * Mit: Denis Lavant, Dominique Blanc, Virgil Leclaire, u.a. * Auszeichnungen: Beste Regie beim Locarno International Film Festival 2007 + FIPRESCI Prize (Kritiker-Hauptpreis) beim Locarno International Film Festival 2007 * Weltvertrieb: www.widemanagement.com

Sunday, October 21, 2007

FILM: "LADY CHATTERLEY" ALS ORGASMUSSTUDIE VON PASCALE FERRAN

Bei den ersten Sextreffen freut sich Lady Chatterley einfach nur, wenn der Wildhüter Parkin bei ihr "kommt" ...

... doch dann, etwa im Regen, nach einem Baby-Aha-Erlebnis, ergreift sie die Initiative, und "kommt mit ihm".

Danach wird ihr gegenseitiges Begehren und ihre Liebe immer stärker und übermütiger. Sie reißen sämtliche Konventionen nieder. (Fotos © VIENNALE 2007)


VIENNALE PASCALE FERRAN ZEIGT MÄNNERN, WIE FRAUEN ZUM HÖHEPUNKT KOMMEN, UND WAS IHNEN SONST NOCH BEIM SEX GEFÄLLT: IN LADY CHATTERLEY

Lady Chatterley von Pascale Ferran bei der Viennale - und wieder einmal wird klar, wie unterschiedlich Frauen und Männer Sex erleben. Nicht nur, dass der Markt an Pornofilmen ausschließlich auf die "Männer"-Erotisierung zugeschnitten ist; auch die Erotik in Spielfilmen deckt in der Regel männliche Bedürfnisse ab. Es scheint ausreichend, dass - ob nun mit oder ohne Vorgeschichte - zwei Körper zusammentreffen und (schnell) zum Zug kommen. Als genügten zwei Leiber beim Liebesaustauch zur Befriedigung beider Partner! - Angeblich ist Sex ja die natürlichste und einfachste Sache der Welt! Immerhin - alle zehn Jahre - kommt dann ein Film auf den Markt, der zeigt, wie das mit der weiblichen Lust tatsächlich funktioniert: So, dass auch "sie" einen Orgasmus hat, nachdem parallel offenbart wird, wenn und wie sie "keinen" hat. Wobei nicht gesagt ist, dass zweiteres ihr nicht auch ein gewisses Maß an Freude bereiten kann; es ist das "andere" am Sex, das der Frau sehr wichtig ist: sich nicht am "eigenen", sondern über den Höhepunkt des Mannes zu freuen, was sich als Gefühl von "vertraulicher Nähe" in ihr breit macht. Das Vertrauen dient dann zur Vorbereitung auf den wiederholten Sex mit diesem Mann. (Was - von der Natur so eingerichtet - wohl die Wahrscheinlichkeit einer Schwangerschaft erhöhen soll. Und mit der angenehmen Begleiterscheinung, dass sich die Frau mit dem wachsenden Vertrauen fallen lassen kann: was dann auch zum Orgasmus führt.) Deshalb ist die Bindung zum Partner bei Frauen nach dem Sex auch viel stärker als bei Männern...

Porno von und für Frauen

Es verwundert kaum, dass solche Filme stets von weiblichen Regisseuren stammen. Wie jetzt die Französin Pascale Ferran (47) schöpfte 1993 schon die Neuseeländerin Jane Campion (53) in Das Piano aus einer ähnlichen charakterlichen Grundkonstellation der beiden Liebespartner. "Er" ist ein wilder Außenseiter, mit weiblich-musischer Sensibilität gegenüber Natur bzw. Musik. "Sie" ist unglücklich verheiratet mit einem reichen, ungeliebten Patriarchen, mit dem sie entweder nicht schlafen kann oder will. Beide frigide Frauen werden vom gesellschaftlichen No-Name, dem "Einsiedler", zu größter Lust stimuliert. Weil jener Ausnahme-Mann viel bedachter und raffinierter vorgeht, als der anerkannte Egoisten-Zampano an ihrer offiziellen Seite, weil der wilde Romantiker in ihre Lebenswelt eintaucht, ihre ästhetische Fantasie weckt, sie "sogar" teilt. Möglicherweise steckt dahinter aber nur weibliches Wunschdenken, selbst wenn Hoffnung besteht: Denn Lady Chatterley stammt als Ur-Roman von einem Mann! Es ist das skandalöse John Thomas and Lady Jane aus dem Jahr 1927 des Briten D.H. Lawrence.

Von der fragilen Annäherung zum Höhepunkt

Was die Welt daran schockierte, war allerdings die Politik: Dass eine großbürgerliche Frau einen klassenniedrigeren Mann begehren könnte. "Ihre" sexuelle Begierde hat damit wiederum nur am Rande zu tun. Natürlich ist es der starke, männliche Körper, der Lady Chatterley zuerst (sofort sexuell) anzieht. Sie, die den ganzen Tag ihren - aus dem Krieg gelähmt zurückgekommenen - Mann pflegt und deshalb schon fast krank ist, sieht den Wildhüter Parkin während eines Spaziergangs, wie er sich bei seiner Hütte im Wald wäscht. Dorthin gelangte sie wegen dort blühender "Narzissen", wegen der Natur, was sich "naturgemäß" mit der Faszination des Wildhüters deckt. Grüne Bilder, stumme Aufnahmen, kaum Musik, und wenn, dann nur vom Klavier, Naturgeräusche, spröde Dialoge, vermitteln ihrer beider Intuitionsfähigkeit. Rein äußerlich wäre Parkin (Jean-Louis Coulloc´h) sogar unattraktiver als Lady Chatterleys (Marina Hands) Ehemann Clifford (Hippolyte Girardot). Die von ihr ausgehende Annäherung bleibt für den Zuschauer also überraschend spannend, während sie sich sehr verzögert intensiviert: Parkin ist anfangs schroff und ablehnend, da er sich gar nicht traut, sie, die "Vorgesetzte", als Frau wahrzunehmen. Als sie dann aber um "seinen" Hütten-Schlüssel zum "gelegentlichen" Ausruhen bittet - ein eindeutiges Symbol - scheint das Eis langsam zu brechen. Zuerst sieht er unter all dem Gewand ihre bestrumpften Fesseln (wie in Das Piano), dann ihre Anmut, als sie im Garten eine Blume pflanzt, schließlich, dass sie beim Angreifen eines Kückens weint. - Eindrücke ihrer großen Sehnsucht nach Zärtlichkeit, der er nicht länger widerstehen kann. Wobei das Hinauszögern von beiden Seiten, indem er sie nie berührt und sie es des öfteren ein oder zwei Tage lang nicht zur Hütte schafft, letztendlich "ihr" dient, um tatsächlich "kommen" zu "können".

Von der Kunst des Hinauszögerns

Und doch klappt es beim ersten Mal noch nicht ganz: Parkin fragt nur, "wollen Sie?", geht mit ihr in die Hütte, zieht sich die Hose runter und stößt sie, ohne sie anzusehen (geschweige denn, dass der Zuseher einen Milimeter Haut sehen würde). Das Ganze ist eine 1-Minutenaktion, begleitet von Orchestermusik und Naturbildern, wo nur er etwas davon hat, und sagt: "Das mußte ja so kommen." Sie: "Ich glaube auch." Er ist verunsichert, aber so rücksichtsvoll zu bemerken, "ob sie sich erniedrigt fühle", worauf sie ihm versichert, "nein, Sie gefallen mir". Doch besucht sie ihn den nächsten Tag nicht, sondern erst den übernächsten. Wieder läuft das Ganze vollbekleidet zu seiner Befriedigung ab. Und sie "lächelt"... Die nächsten Tage meidet sie die Hütte und besucht im Dorf eine junge Mutter mit Baby. Da scheint bei ihr der Geistesblitz einzuschlagen... Auf dem Rückweg läuft ihr Parkin über den Weg, er weicht ihr beleidigt aus, sie rennt ihm hinter her und treibt es auf und mit ihm an einem Baum. Zeitlupenaufnahme. Endlich schreien beide "laut" ihren Höhepunkt heraus. Parkin freut sich: "Diesmal sind wir gemeinsam gekommen." Und sie bedankt sich bei ihm.

Sex gegen die Welt

Ab nun wird die Liebesbeziehung bei beiden von Mal zu Mal stärker, er kann nachts nicht schlafen, wartet vor ihrem Haus, manchmal schleicht sie sich raus. Bis eines Tages die Kleider fallen und sie endlich in voller Wahrnehmung und Liebkosung ihrer beider Körper ihrem Ehegatten Clifford ein Kind unterjubeln - der ist einverstanden, allerdings unter der Bedingung, dass es von jemandem sein müsse, der ihm "standesgemäß" sei. Und Lady Chatterley findet zu einem Trick, dass er es glauben wird...
Ein ständiges Beisammensein bleibt den Liebenden letztendlich verwehrt - schon weil sich der stolze Parkin niemals von einer Frau aushalten lassen würde. Doch eine letzte Aussprache zeigt, dass sie zusammen kamen und, wenn nötig, immer für einander da sein werden, weil sie sich gegenseitig befrei(t)en: er als sich erniedrigt fühlender Einzelgänger, sie als asexuell-einsames Beiwerk ihres Gatten. Und deshalb ist ihr Sex so großartig: weil er ein beidseitiger Befreiungsschlag gegen die Welt ist. e.o.


DAS URTEIL DER FILM ERLEBT IM LETZTEN DRITTEL EINEN RHYTHMISCHEN BRUCH UND WIRD DESHALB ALS ZU LANG EMPFUNDEN. DIE SEXUELLE SPANNUNG IST ALLERDINGS ATEMBERAUBEND: FÜR FRAUEN!

FILM Lady Chatterley * Frankreich 2006 * Von: Pascale Ferran, Roger Bohbot nach dem Roman John Thomas and Lady Jane von D.H. Lawrence * Regie: Pascale Ferran * Kamera: Julien Hirsch * Verleih: Stadtkino Wien * Mit: Marina Hands, Jean-Louis Coulloc´h, Hippolyte Girardot * Auszeichnungen: Césars 2007: u.a. Bester Film, Beste Darstellerin, Beste Kamera * Ort + Zeit: Viennale - Stadtkino: 28.10.: 12h, VIennale - Gartenbaukino: 29.10.2007: 20h, Gartenbaukino (im regulären Betrieb): ab 3.11.2007