Showing posts with label Konzert. Show all posts
Showing posts with label Konzert. Show all posts

Friday, October 05, 2018

MUSIK-KRITIK: „SPANISH DAYDREAMS“ – PAMELIA STICKNEY und MARIE-THERES RAUBA IM ROTEN SALON WIEN

Spanish Daydreams-Plakat (© Plakat: Chi Rich 2017/Rauba, von OESTIG adaptiert)
-->
Sehr stimmig: Pamelia Stickney (Theremin) und Marie-Theres Rauba (Klavier) in Francis Poulencs „C´est ainsi que tu es“ (Ausschnitt link)
-->
Ein Highlight: Pamelia Stickney (Theremin) und Marie-Theres Rauba (Klavier) in Isaac Albeniz „Leyenda“ (Ausschnitt link) 
(Screenshots © Elfi Oberhuber)
--> -->

AM 17. NOVEMBER 2017 FÜHRTEN PAMELIA STICKNEY (THEREMIN) UND MARIE-THERES RAUBA (KLAVIER) DAS PUBLIKUM DES ROTEN SALONS DER OESTIG LSG NACH SPANIEN, VERMISCHT MIT FRANZÖSISCHEM FLAIR.      




„Spanische Tagträume“ sind das Motto. – Die Wienerin Marie-Theres Rauba beginnt das Konzert, das sie mit dem amerikanischen Weltstar am Theremin, Pamelia Stickney, zusammengestellt hat, bis zur Pause mit einem Solo. Es enthält Sonaten von Domenico Scarlatti. Da mag man sich fragen, was wohl der italienische Barockkomponist, der von 1685 bis 1757 gelebt hat, mit dem eigentlich programmierten Duett zu tun hat. Zumindest theoretisch kann Rauba den Bezug herstellen, wie sie einführend erklärt: Erstens spiele sie ihr Leben lang „Scarlatti“, und zweitens hätte jener am spanischen Königshof gelebt und spanische Volksmusik und Elemente verwendet. So weit, so gut, eine musikhistorische Frühentwicklung von „Spanish Daydreams“ also.


Für gewöhnlich ist bei guten Scarlatti-Interpreten die „sportliche Leistung“ an Fingerfertigkeit neben den Überkreuzungen der Hände und die Ausdauer in den schnellen Tonrepetitionen sowie das Tonleiterspiel in rasantem Tempo über mehrere Oktaven hinweg bestaunenswert. Rauba meistert diesen Anspruch weniger in der Virtuosität eines leicht scheinenden Spiels, als viel mehr in ihrer bewussten Tempo-Setzung: das Schnelle sitzt zwar nicht so exakt, sie hat aber, wenn es darauf ankommt, Mut zum Gefühl und sichtlich Freude am Spiel; sie vermag es, durch Verzögerung und Reduktion des Tempos eine spannende Betonung zu bewirken. – Man nimmt ihr den Scarlatti auch ab, weil bei ihr das Klavierspiel mit recht kräftigem Tastendruck eigentlich wie das Spiel eines Cembalos klingt, wofür der Komponist einst die Sonaten geschaffen hat. Und Rauba lernte das echte Cembalo zu spielen, noch bevor sie mit dreißig Jahren das Klavier richtig zu studieren begann.



DUETTE SCHÖNSTER LIEDER


Der Auftritt Stickneys hinter ihrem faszinierend ungewöhnlichen Instrument Theremin, das über elektromagnetische Schwingungen funktioniert, stielt Rauba natürlich zunächst die Show. Es scheint fast wie ein Wunder, was für mystisch schöne Töne die starr, fast wie eine Spastikerin wirkende Musikerin aus diesem Kasten hervorzuzaubern vermag. Insbesondere bei dieser wunderschönen Auswahl an Liedern, die man kaum gezielter treffen kann, um eine intellektuell und emotional elitäre, gebildete Atmosphäre von einer „Spanien-Haftigkeit“ zu erzeugen. Das wird noch besser herausgearbeitet, indem hier der Entwicklungszweig zwischen dem Spanischen und dem Französischen aufgezeigt wird. Zuerst spielen die beiden Frauen das zärtlich entrückte „Wiegenlied“ von Manuel de Falla, der 1876 in Spanien geboren und 1946 in Argentinien gestorben ist. Der südamerikanische Gedanke ist der Komposition anzumerken. Auch de Falla liebäugelte im Zuge seiner Kompositionsjahre mit dem Cembalo, weshalb sich dieser als Übergang zum Duett (zumindest theoretisch) sehr gut eignet. Dieser Titel ist aber vor allem entrückend schön und sensibel, was insbesondere das hochkonzentrierte Spiel Stickneys ausdrückt, die hier die Lead-Stimme übernimmt, während Rauba Grundstimme, Takt und Basis liefert. Beide Frauen aber hören einander zu, reagieren aufeinander, und das über das ganze Konzert hinweg. Das nimmt den Zuhörer gefangen, selbst wenn man vielleicht insgesamt noch mehr Gefühl, Sanftheit und Raffinesse hineingelegt haben wollte.



GROSSARTIGE STÜCKE-ZUSAMMENSTELLUNG



Darauf folgt das dreiteilige Chanson von Franzose Maurice Ravel (1875 bis 1937) „Don Quichotte
à Dulcinée“: „Chanson romanesque“, „Chanson épique“, „Chanson à boire“, wo der Spanien-Bezug einerseits durch den literarischen Inhalt besteht, als auch durch die spanischen Themen in der französischen Musik. Stickney und Rauba meistern diese jazzigen Stücke mit Volkslied-Elementen mehr humoristisch als virtuos, was aber auch seinen Reiz hat. Sehr stimmig spielen sie dafür Francis Poulencs (1899–1963)  „C´est ainsi que tu es“, sodass die emotionale Beziehung zweier Menschen getroffen und vermittelt wird.
Genau zur richtigen Zeit erfährt das Konzert darauf seine Höhepunkte, und zwar hintereinander: Mit Spanier Isaac Albeniz (1860–1909), der persönlich den Bogen nach Argentinien und Frankreich zog, gelingt „Leyenda“ auf einem sehr hohen Niveau. Zum rhythmisch schnellen, gut betonten Beginn Raubas summt Stickney subtil tief und hoch mit ihrem Theremin, worauf ein besinnlich langgezogener Zwischenteil mit spanischen Weisen folgt. Hier treffen sich die beiden Musikerinnen vor allem in ihrer gegenseitigen Laut-Leise-Reaktion. Äußerst spannend ist daraufhin „Walzer aus der Sonate für Theremin und Klavier Nr.1“. Es ist den beiden Damen praktisch auf den Leib geschrieben worden, und zwar von Kanadier Alexander Rapaport, dem 1957 geborenen, komponierenden Ehemann von Rauba. – Die beiden haben dieses modernste Stück des Abends sichtlich bereits öfter aufgeführt. Es trägt sowohl romantisch beschwingte, als auch intellektuell zeitdehnende Züge der Neuen Musik.

Darauf folgten schließlich ein verträumtes „Vocalise-Étude“ von Franzose Olivier Messiaen (1908 – 1992), sowie ein besinnliches „Asturiana“ von – wie zu Beginn der Duett-Reihe – Manuel de Falla. Und weil das Publikum nicht genug bekommen konnte, gab es als Zugabe noch den spanisch beschwingten „Dolores-Walzer“ des Franzosen Émile Waldteufel (gestorben 1915)!  a.c.



RESUMÉE PAMELIA STICKNEY UND MARIE-THERES RAUBA IST MIT SPANISH DAYDREAMS EINE SPANISCHE STIMMUNG QUER DURCH DIE MUSIKGESCHICHTE GELUNGEN: DIE BEIDEN MUSIKERINNEN GEHEN DARIN EINFÜHLSAM AUFEINANDER ZU, AGIEREN UND REAGIEREN, SODASS SIE DAS PUBLIKUM ZU GEWINNEN VERSTEHEN. DAS SCHÖNSTE DARAN IST DIE EKLEKTISCH ELITÄRE MUSIKAUSWAHL AUF FEINEM NIVEAU. UND NATÜRLICH DIE MYSTISCHE KOMBINATION VON KLAVIER MIT DEM THEREMIN DER EINZIGARTIGEN PAMELIA STICKNEY.

KONZERT „Spanish Daydreams“ * Von und mit: Pamelia Stickney, Theremin & Marie-Theres Rauba, Klavier * Ort: Roter Salon der OESTIG LSG, Wipplingerstraße 20, 1010 Wien * Zeit: 17.11.2017, 19h30
-->

Monday, August 20, 2018

MUSIK-KRITIK: "ROTE BRILLE KAMMERKONZERT" UM WALTER BACO, KURATIERT VON WERNER HACKL, IM ROTEN SALON WIEN

Walter Baco hat mit der Serie "Die rote Brille" im Roten Salon der OESTIG LSG einen echten Renner von musikhistorischer Größe erfunden: am 28.9.2017 kuratierte Werner Hackl das Programm ...  Baco selbst improvisierte in Magenta wie ein Freigeist (siehe Link) (© Plakat: OESTIG LSG Elfi Oberhuber, Fotos © privat)

Hemma Tuppy und Vladimir Kacar gelang mit Martha Schwediauers Uraufführung Two Bagatelles for bassoon and piano ein starkes Duett (Ausschnitt siehe link) neben ...

... Anna Mittermeier und Herbert Suchy in Heinrich Gattermeyers Duo für Viola und Kontrabass (Ausschnitt siehe link). Diese Duette waren überhaupt das Beste des Abends. Außer der jungen Solo-Flötistin Iva Mazanik, die in Wilfried Aigners Slapstick Blues beatboxte. - Ein echter Knüller! (Screenshots © Elfi Oberhuber)


DIE OESTIG LSG ERÖFFNET DEN NEU RENOVIERTEN ROTEN SALON MIT WALTER BACOS KONZERTREIHE, „DIE ROTE BRILLE“, KURATIERT VON WERNER HACKL.     




Es ist der 28. September 2017, als Walter Baco, Tausendsassa der genreübergreifenden Künste und doch in seinem Äußersten „Musiker“, im neu renovierten Roten Salon der OESTIG LSG eine weitere Ausgabe seiner Konzertreihe „Die Rote Brille“ präsentiert. Er will in diesem Forum Komponisten und Interpreten zusammenbringen und dies mit seiner selbst geschriebenen oder gelesenen Literatur bestücken. Kuratoren sorgen dabei für immer neue Zugänge hinsichtlich des Themas. Diese Aufgabe wurde diesmal Posaunist Werner Hackl (Präsident ÖGZM, Österreichische Gesellschaft für zeitgenössische Musik) zuteil. Er hat um Baco herum eine aufsehenerregende Auswahl an Instrumentalisten zusammengetrommelt. Sie interpretieren das Who-is-Who der unter Österreichs Insidern bekannten zeitgenössischen Komponistenszene – darunter viele Werke, die weder in der medialen Öffentlichkeit präsent oder jemals gespielt wurden: und das macht das Ganze spannend.




HIGHLIGHT: JUGEND



Dem Anspruch, im Sinne des Fortschritts einen Wegweiser hinsichtlich Werk und Darbietung auszumachen, sodass man sagen kann, „da ist zwischen Arnold Schönberg über Cartoon Network bis zum swingenden Hiphop alles enthalten, was denn auch noch von der Interpretation her einverleibt und im Moment absolut stimmig verstanden wirkte“ – muss man sagen –, wurde die jüngste Künstlerin des Abends am gerechtesten:  ja, die größte Überraschung war Iva Mazanik! Die Zehnjährige „beatboxte“ phasenweise geradezu mit ihrer Flöte durch den kammermusikalischen Slapstick Blues vom mit Nichts als durch seine digitale Medienpädagogik bekannten österreichischen Komponisten Wilfried Aigner. So dass die Akzente nur so funkten. Und das mit einer Selbstverständlichkeit, wie sie nur die natürliche Frechheit eines angehenden Teenagers mit sich bringen kann. Leider lag es an der Ignoranz des Berichterstatters, dass er von vornherein nicht annehmen wollte, dass ihn dieses Mädchen am meisten erstaunen würde, weshalb er die Video-Handy-Kamera erst zu spät drückte. Man kann diese zukunftsreiche Solistin, die trotz Kammermusikzugehörigkeit den Swing in sich und ihr Talent nachweislich mit der Muttermilch aufgesogen hat, nur ermuntern, dieses Stück noch einmal aufzuführen ...


A propos Muttermilch: Ihre in der Spielsicherheit ebenso begnadete Mutter, Martina Mazanik, trat später mit Querflöte auf. Nun ist das ein Instrument, das dem von ihr gespielten Schlangen-Thema Le Serpent noir leider klischeehaft gerecht wird. Nur dass man als Betrachter den Schlangenbeschwörer vor Augen hat, wenn jemand Flöte spielt, und nicht etwa – wie in der sensibel verträumten Komposition des Jazzers Stefan Pelzl – die tanzende, schwarze Schlange ... Ursprünglich hatte Pelzl das Stück mit zweistimmigen Streichern aufgenommen, die wie zwei sich nach oben tanzende, unbekümmerte Schlangen, mit sich in Abwandlung wiederholenden melodiösen Bewegungen raffiniert anmuten. Die einsame Mazanik wirkte dagegen trotz ihrer geraden und kraftvollen Pfeiftechnik etwas „dünn“.



HIGHLIGHT: DUETTE



Auch das Solo von Kontrabassistin Anna Mittermeier, die den Contrabass Dance von der Ukrainerin Bohdana Frolyak vorführte, ging nicht wirklich auf. Sie spielte unkoordiniert und phasenweise verhaspelt. Eine zusätzliche Unstimmigkeit ergab, dass man als Zuhörer unter einem „Tanz“ eine andere Art von Komposition vermutet hätte. Anna Mittermeier bekam aber noch einmal die Gelegenheit zu zeigen, was für eine mit punktgenauem Witz erzählerisch begabte, temperamentvolle Interpretin in ihr steckt – da erkannte man sie als Rock-Göre, die sie als Bandmitglied der Popgruppe N.I.K.O. einschlägig ist: im Duo für Viola (gespielt mit dem stimmführenden Tonkünstler-Orchester-Mitglied, Herbert Suchy) und Kontrabass vom österreichischen Komponisten und Musikpädagogen, Heinrich Gattermeyer. Sie schafften es gemeinsam, eine Spannung aufzubauen und jene im Zuge der drei Teile „Vivace – Larghetto – Vivo“ auch noch zu steigern. Die beiden Musiker, die in dieser Komposition sichtlich ihr jeweils eigenes, gleichzeitig ablaufendes, „männlich“ (ja, auch Anna Mittermeier war als Frau so stark!) souveränes Eigenleben zu führen hatten, lösten ihr bewusstes und doch passendes Gegen-einander-Laufen immer wieder im richtigen Moment bei versöhnenden Melodien auf.

Dass das Duett in der zeitgenössischen Kammermusik überhaupt der beste Nährboden für eine gelungene Kommunikation (nicht nur zwischen den Musikern, sondern auch mit dem Publikum) ist, bewiesen außerdem Fagottist Vladimir Kacar und Pianistin Hemma Tuppy. Ihre Two Bagatelles for Bassoon and Piano von der aus den USA stammenden Komponistin, Martha Schwediauer, war ein geradezu märchenhafter Tripp von einem tonangebenden Fagottisten und einer begleitenden Pianistin, die manchmal auch ein paar Töne vorpreschen durfte, worauf er sie wieder einholte. Eine mitreißende Begegnung von einander wohlgesinnten, eingespielten Partnern.



TOLLE KOMPLEXE KOMPOSITIONEN



Eine schwierige Aufgabe hatte das Frauen-Streichquartett Anima Ensemble (Andrea Frankenstein, 1. Vi. – Chizuko Shimotomai, 2. Vi. – Frolieb Tomsits-Stollwerck, Va. – Aristea Caridis, Vc.) mit  Karlheinz Schrödls vierteiliger Komposition Streichquartett Nr. 5 op. 147 zu meistern. Denn zu viert eine phasenweise sperrige und melodisch – schnell und wieder langsam, energisch und wieder verloren – gegenläufige Neue Musik so zusammenzubringen, so dass sie einen wirklich guten Zug nimmt, benötigt das kunstfertig höchste Tüpfelchen auf dem i. Dass diese Fahrt nicht wirklich losging, lag an der Lokomotive: der Auftakt der Leading-Violine Frankensteins war, gerade wenn es darauf ankam, zu wenig bestimmt und energisch. Wo die Vier einander aber doch immer wieder gut begegneten war die wiederkehrende rhythmische Anspielung auf Strawinkys Le Sacre du Printemps. Insgesamt war jedoch innerhalb der sichtlichen und aufs Publikum übertragenen Anstrengung die vielfältig komplexe und anspruchsvolle Komposition mit durchaus unterhaltsamen Elementen zu erkennen.


Leichter hätte auch das von Flip Philipp durch Joseph Haydn op. 33, Nr. 3 "Vogel" inspirierte „Streichquartett“ wirken können, das die vier Streicherinnen interpretierten. Denn es steckt eigentlich voll charmanter Ironie und Spitzfindigkeit, schon was die Titelabfolge des Komponisten, der auch in der Jazz-Musik beheimatet ist, betrifft: „Bird eats Cat – Cat loves  Bird – The empty Nest“. Der raffinierte Charme dieser inhaltlichen Dramatik blieb leider verborgen.


LEICHTE NEUE MUSIK



Für westliche Verhältnisse der Neuen Musik zu „brav“ und romantisch zu konventionell waren schließlich die Kompositionen der in Österreich lebenden Komponistin am Klavier, Elzbietea Wiedner-Zajac, selbst wenn „Wedding melody“ for piano hinsichtlich der Widmung einem schwulen Paar, Rainer und Thomas, Frechheit versprach, das sich gegenüber dem obligatorischen „Hochzeitlied für Klavier“ für meine Lieben Beata und Patrick zur Trauung, abheben hätte können. Wiedner-Zajacs nur mit linker Hand gespieltes „Oh ferner Vogel ...“, inspiriert  vom Nocturno von Jenö Takács und gesungen von Mezzosopronistin Alina Mazur hatte einen dramatisch spannenden gesprochenen Moment, während „Was sagst Du mir?“(„Co mi mowisz?“) nach dem Gedicht von Karol Wojtyla, komponiert anlässlich der Seligsprechung von Papst Johannes Paul II. sehr ernsthaft, vorwurfsvoll und leidend rüberkam, etwas „altmodisch“, aber mit großer Hingabe dargeboten.


Dagegen wirkte Walter Bacos Improvisation Magenta nach seiner gelesenen „Poesie“ – Ein Auszug aus seinem 2001 erschienenen Roman-Krimi Die Erhebung – wie der Geniestreich eines weisungsfreien Kindes. Er setzte sich spontan an sein Klavier, begann mit sich wiederholenden Klaviertropfen, die sich zu einem temperamentvollen Tonleiter-Spiel anfeuerten. Selbst wenn die Füße und die Hände taktmäßig manchmal nicht übereinstimmen wollten, gelang ihm ein Gefühl von Dramatik, Anspannung und zärtlicher Auflösung. -  Ein unverkrampfter Kontrapunkt innerhalb der in diesem Rahmen gezeigten Neuen-Musiker-Zunft mit höchstem Vorhaben und ebensolchen Zielen, der zeigt, „es kann auch einfach mal nur "so" gehen“. r.r.




RESUMÉE DIE ROTE BRILLE, ERFUNDEN VON WALTER BACO, IST DIE GELUNGENE AUSSTELLUNGSREIHE ÜBER DIE NEUE MUSIK IN ÖSTERREICH. DURCH WECHSELNDE KURATOREN KOMMT ES ZU IMMER WIEDER NEUEN BLICKEN AUF ENTWICKLUNGSTENDENZEN DER NEUEN MUSIK IN EINEM STIMMIGEN ABENDPROGRAMM. DARÜBERHINAUS TREFFEN SICH HIER LIVE INTERPRETEN, KOMPONISTEN UND BACOS LITERATURAUSWAHL! – KURATOR WERNER HACKL HAT SEINEN BESTEN BLICK AUF VIELVERSPRECHENDE JUNGE NEWCOMER- UND DUETT-INTERPRETEN UND AUF UNTERSCHIEDLICHE, IM RAHMEN DER NEUEN MUSIK DURCHAUS UNTERHALTSAME KOMPOSITIONSSTILE GERICHTET.

KONZERT Rote Brille Kammerkonzert um Walter Baco, kuratiert von Werner Hackl * Moderator und Kurator: Werner Hackl * Mit: Iva Mazanik, Flöte (Slapstick Blues von Wilfried Aigner), Anna Mittermeier, Kontrabass (Contrabass Dance für Kontrabass solo von Bohdana Frolyak), Elzbieta Wiedner-Zajac, Klavier („Wedding melody“ for piano, 2017 UA, Hochzeitslied für Klavier, 2007), Vladimir Kacar, Fagott – Hemma Tuppy, Klaiver (Two Bagatelles for Bassoon and Piano UA von Martha Schwediauer), Herbert Suchy, Viola, Anna Mittermeier, Kontrabass (Duo für Viola & Kontrabass. Vivace – Larghetto – Vivo von Heinrich Gattermeyer), Walter Baco, Klavier (Magenta), Anima Ensemble Wien: Andrea Frankenstein, 1.VL – Chizuko Shimotomai, 2. Vl. - Frolieb Tomsits-Stollwerck, Va. – Aristea Caridis, Vc. (Streichquartett (inspiriert von J. Haydn op 33, Nr. 3) Bird eats Cat – Cat loves Bird – The empty Nest von Flip Philipp), Martina Mazanik, Flöte (Le Serpent noir für Flöte solo von Stefan Pelzl), Alina Mazur, Mezzosopran – Elizbieta Wiedner-Zajac, Klavier (Oh ferner Vogel... (Vocalise) für Gesang und Klavier, linke Hand allein (2007) inspiriert vom Nocturno (II. Satz der Sonatine für Klavier) von Jenö Takács, Was sagst du mirm(„Co mi mowisz?“), Lied für Gesang und Klavier, nach dem Gedicht von Karol Wojtyla), Anima Ensemble Wien (Streichquartett Nr. 5 op. 147, Allegro burrascoso – Moderato – Quasi Tango – Schnell von Karlheinz Schrödl) * Ort: Roter Salon der OESTIG LSG, Wipplingerstraße 20, 1010 Wien * Zeit: 28.9.2017, 19h30

Friday, August 12, 2016

impulstanz 2016 – Tagebuch 6: UNEITLER „MACHO“ ISRAEL GALVÁN IN „FLA.CO.MEN“

-->
Israel Galván
beginnt FLA.CO.MEN mit einer ironischen Einführung des Flamenco: die Geigerin Eloísa Cantón übersetzt seine Zeichensprache überspitzt ins Englische.
--> Pure Faszination geht von dem Rhythmusgott Galván in spannender Lichtsetzung aus.


-->
Auf Geldmünzen barfuß zu tanzen, hört sich noch einmal anders an, es hat in Sachen Flamenco und dessen Geschichte jedoch gewiss eine tiefere Bedeutung. (Fotos © Hugo Gumiel)

-->



Was für eine Erscheinung! Dieser Rebell voller unberechenbarer Lebensfreude.



22.7., gegen 22h45, im Wiener Volkstheater:



Standing Ovations für Spanier Israel Galván.

Ich bin eine von jenen, die ihn anhimmeln.

Für jemanden wie mich,

der andauernd in Vorstellungen geht,

ist diese Form von Begeisterung selten.


Man wird ja irgendwann routiniert,

vielleicht sogar abgestumpft.

Es muss etwas ganz außergewöhnlich sein,

damit man sich von seinem Sessel erhebt.


Nun hatte Israel Galván wahrscheinlich nicht einmal seinen besten Tag. Man sah, als er sich verbeugte, dass seine beiden Beine bandagiert waren. Außerdem fehlte eine bestimmte Tanzsequenz, die im Video für vorab berichtende Journalisten zu sehen war. Jene Szene, wo Galván drei bis vier blitzschnelle Pirouetten dreht, um dann in der rasenden Bewegung ganz plötzlich mit dem Fuß auf der ausgestreckten Hand des Gitarristen Caracafé Proyecto Lorca abrupt zum Stillstand zu kommen.


Diese akrobatische Spitzenleistung gab es heute nicht, dafür war alles radikaler und übermütiger als im „Konzert“ der früheren Vorstellung.


Ich frage mich,

wie dieser vor Energie, Frechheit und Freude
sprühende Mann

in der Premiere vor zwei Tagen war.

Ich bin mir sicher, dass jede Vorstellung anders ist,

auch wenn – wie Galván versichert –,

alles, bis ins kleinste Detail geprobt ist.


So viel Spontaneität lässt sich nicht einstudieren.

Oder liegt gerade in dieser Charaktereigenschaft
die größte Begabung dieses Künstlers?

Es wie „das erste Mal“ aussehen zu lassen?


Die dem Stück zugrunde liegende Botschaft des legendären Flamenco-Komponisten und Sängers Enrique Morente, ,„beim Flamenco geht es darum, die Tradition zu übertragen und sich dabei des Verrats bewusst zu sein, der bei diesem Unterfangen immer mitschwingt“, ist in diesem Konzert mehr als nur präsent, wobei man aber als „Nicht-Flamencoaner“ dazu neigt, eher den „bewussten Verrat“ zu attestieren;
– der eine mit mehr Begeisterung,
– der andere mit weniger.
(Und das hat jetzt gar nichts damit zu tun, ob man nun ein Freund von Folklore ist, oder nicht.)


Jedenfalls meinte der für die Paartänze Sevillanas regieführende artistische Direktor Pedro G. Romero: „Destruktion und Konstruktivismus gehören nicht (nur) zu Galván, sondern zum Flamenco selbst. Die Reihenfolge der Silben (Titel: FLA.CO.MEN) mag verändert sein, es bleibt doch Flamenco.“


Nur so lässt es sich verstehen, dass der rebellische, Finger schnipsende Galván nach einer Trommel-Einlage mit seinem Fuß triumphierend ruft, „na, bin ich ein Zigeuner?“, und der ebenfalls mit dem Fuß paukende Flamenco-Sänger, David Lagos, trotzig antwortet, „ja, bist du!“. – Denn die Zigeuner beeinflussten den Flamenco historisch maßgebend. Und Galván ist genetisch einer von ihnen, dank seiner Flamenco tanzenden Mutter. Dass aus Galván ein Kuriosum werden musste, das ständig seinen Stachel in seinem Fleisch zu spüren scheint, ist schon an seinem Namen abzulesen: „Israel Galván“, mit jüdisch konnotiertem Vornamen – bedeutend „Gott streitet (für uns)“ – Sohn des Flamenco-Tänzers und Zeugen Jehovas, José Galván, der ihm im Kindesalter beängstigende Sprüche über den Weltuntergang zumutete.

Nun, da unsereinem am Flamenco alles „spanisch“ vorkommt, zählt am Ende nur die vielschichtige Verbindung jedes einzelnen Elementes zu einem für jeden Akteur und Betrachter stimmigen Ganzen. Es ist faszinierend, wie sich die Instrumente E-Bass und Geige (Eloísa Cantón), Gitarre (Caracafé Proyecto Lorca), Saxophon und Gaita del Gastor - ein hornartiges Aerophon (Juan M. Jiménez), Marimba, Kesselpauke, Timbal, Cajón flamenco, und andere Perkussionsinstrumente (Antonio Moreno), sowie die beiden Flamenco-Sänger (David Lagos, Tomás de Perrate) für westliche, am Zahn der Zeit stehende Kunstbefürworter zu einem authentisch „atmenden“ Konzert verbinden lassen, das insbesondere heute – wo die EU vor der Entscheidung steht, eine kulturelle Linie über alle Länder zu ziehen oder ihnen ihre Eigentümlichkeiten zu lassen – auch kulturpolitische Aussagekraft erhält. Doch wäre dieser starke Charismatiker Galván nicht, der dem Kunterbunten letzten Endes mit seinem breiten Kunstverständnis und körperlicher Vielfältigkeit Sinn verleiht, würde da mit Sicherheit gar nichts stimmen. Für wen passt schon Ligeti zur Rondena, Luigi Nono zur Granaina, die US-Band Antony and the Johnsons zur Verdiales und die Tarantella zum Taranto, ohne den Funken des Flamenco zu verlieren?


Da trippelt Galván also zuerst mit der Kochschürze herein. Er erklärt tanzend veranschaulichend, allerdings mit neckender Deutung, die traditionellen Gesten des Flamenco. Dass die Nase nach oben schauen muss, steht für sich selbst und bringt Spott genug. Für jedes kleine Zeichen braucht Galván ein ganzes Notenblatt. So groß scheint die Achtung der selbstbekennenden Traditionalisten vor jeder kleinsten Regel zu sein. Galván tauscht die Schürze gegen ein frauliches Taillenmieder ein (denn die Männer-Frauen-Unterschiede müssen im Flamenco streng eingehalten werden). Dann zerbricht er einen „festzementierten“ Flamenco-Schuh, in den Galván gerade noch im Duett mit der singenden Geigerin Eloísa Cantón geblasen hat. Schon da faszinieren die Qualität der Lichteffekte und des Tons, sowie der rhythmisch genau getimte Ablauf.


Bis die weiteren Musiker auftreten, setzt sich Galván mit einem Packerl Chips essend vor das Publikum. Im Hintergrund läuft derweilen aktuelle Computer-Popmusik, so wie sie in den Straßen Spaniens laufen könnte. Man fühlt sich wie in das Land versetzt. Da fährt die Percussion im Steppduett Galváns stark wie Technodrums unter die Zuschauerhaut. Die beiden versuchen sich als rhythmisches Bauch-Klopf-Duo, woran man merkt, wie Schlagzeug-orientiert Galváns Musikalität doch ist, und Percussionist Moreno tanzt später Flamenco. Allerdings haben alle Flamenco-Musiker und Sänger die Rhythmus-Begabung einverleibt. Ein Highlight ist das Klatschduett zwischen Sänger Lagos und Galván. Doch das andere Highlight, das ständig in der Luft liegt, ist die Unberechenbarkeit. Vor allem, wenn Galván ins Publikum steigt und stampfend, klatschend, steppend durch die Gänge knallt oder am Bühnenrand gegen die Kante hämmert. Bei diesem Schlag-Kommando muss die Bühne präpariert worden sein! Das verleiht der Vorstellung ein modernes Ambiente, das es mit jeder animierenden Disco aufnehmen könnte.


Während der Rock-Nummer holt der Tänzer den Notenständer wieder hervor und klebt sich die Notenblätter auf Kopf und Körper, die sich sogleich im Nirgendwo verteilen. Die Botschaft: Die Noten müssen ständig neu geschrieben werden, damit der Flamenco lebendig bleibt! Der Gitarrist balanciert wie in einer Zirkusnummer und entsprechender Musikbegleitung seine Gitarre auf den Händen – was so viel heißt, wie: „Man kann sich im Flamenco durchaus zum Clown machen! Man muss sich selbst nicht so ernst nehmen, um groß zu wirken.“ Die Stimmen, die Gitarre, sowie die Percussion führen in ihren klassischen Zugängen jedoch immer wieder zum Flamenco zurück, wobei für unsere westlich geprägten Ohren die Instrumente angenehmer klingen als der Vibrato-bestückte Gesang. Aber faszinierend ist und bleibt Galván, wenn er „seinen“ Flamenco tanzt, während ihm jede Sekunde anzusehen ist, wie langweilig ihm das „Normale“ sein würde. So verwundert es nicht, dass er im Zuge des Konzerts die Schuhe auszieht und barfuß auf einem Brett mit Geldmünzen steppt. Das erzeugt einen neuen Klang und wirft die Idee von der Bedeutung des Geldes in dieser Tradition auf.


Die 90 Minuten Konzertdauer vergehen wie im Flug. In höchster Spannung und begeistertem Staunen. Die Faszination steht den Zuschauern sprichwörtlich ins Gesicht geschrieben, als Galván sich am Schluss im Flamenco-Rüschenkleid verbeugt – ein unvermuteter Gag, der ihm noch einmal Sympathien bringt. Denn manche "Men" = Männer des Flamenco haben genug Eier für eine humorvolle Extraportion Selbstironie.

– Das zeitgemäß Treffendste und – trotz Konzerts – Tänzerischste, was ImPulsTanz heuer unter all dem großen Star- und Qualitätsaufgebot zu bieten hatte! e.o.

DAS URTEIL
ISRAEL GALVÁNS FLA.CO.MEN IST DAS AUFREGENDSTE, WAS IMPULSTANZ JE GEZEIGT HAT. DIESER MANN IST AUF DER BÜHNE WEDER EITEL, ÜBERHEBLICH, NOCH MACHO, DENNOCH EIN DURCH-UND-DURCH-MANN MIT UNGLAUBLICHEM RHYTHMUSGEFÜHL UND CHARISMATISCHER PRÄSENZ. DASS ER AUCH NOCH SO NEUGIERIG IST, EIN SPANNENDES STÜCK MACHEN ZU WOLLEN, IST EINE ZUGABE, DIE IHM WAHRSCHEINLICH WICHTIGER IST ALS DEM PUBLIKUM.


TANZKONZERT FLA.CO.MEN
* Regie, Choreografie, Tanz: Israel Galván * Gesang: David Lagos, Tomás de Perrate * E-Bass und Geige: Eloísa Cantón * Gitarre: Caracafé Proyecto Lorca * Saxophon und Gaita del Gastor: Juan M. Jiménez * Marimba, Kesselpauke, Timbal, Cajón flamenco u.a. Perkussionsinstrumente: Antonio Moreno *Bühnenregie & Choreographie Sevillanas: Pedro G. Romero * Bühnenregie & Choreografie Alegrías: Patricia Caballero * Ort: Volkstheater Wien * Zeit: 20., 22.7.2016, 21h


TANZ & MUSIK LA FIESTA /  Das Fest * Konzept, Choreografie, Tanz: Israel Galván, Patricia Caballero * Mitwirkende: Nino de Elche, El Junco, La Uchi, Minako Seki, u.a. * Musik: Live * Dramaturgie: Pedro G. Romero * Ort: Festspielhaus St. Pölten * Zeit: 6.5.2017, 19h30 WELTPREMIERE!



Friday, March 06, 2015

MUSIK: SAU-SPANNENDE "FALCO CONVENTION VII" NACH KONVENTIONELLER "DIE GOLDFISCH"-U4-NACHT

U4 und ORPHEUM DIE POPMUSIK DER 2010-er JAHRE IST DEM 80-er POP RECHT ÄHNLICH. DESHALB IST FALCOS MUSIK ALLSEITS PRÄSENT. IM FEBRUAR 2015 WURDE FALCO DURCH SEINE ORIGINALBAND WIEDERBELEBT, EINMAL BEI DIE GOLDFISCH MIT VIELEN INTERPRETEN ALS DISCO-PARTY, EINMAL ALS KONZERT IN MUSIKALISCHER WEITERENTWICKLUNG. - WORIN LIEGT DAS GRÖSSERE POTENTIAL?


Der 19. Februar gehört im Wiener U4 dem legendären Falco. Das Lied-Zitat über sein Stammlokal, "und im U4 geigen die Goldfisch" diente 2015 als Konzert- und Bandtitel Die Goldfisch. (U4-Fotos, wenn nicht anders angegeben © Elfi Oberhuber)

Falco-Bandleader und Keyboarder Thomas Rabitsch hat für das Konzert die Originalband zusammengetrommelt.



Vollwertiger Ersatz für Falco-Schlagzeuger Thomas Lang: Florian Holoubek.

Falco-Bassist Bertl Pistracher (li) war Langzeitmusiker bei Falco, E-Gitarrist Peter Vieweger (re) war in Falcos frühen Jahren sein Bandleader.
Gesungen wurden die Hits von acht österreichischen Interpreten. Eine der stärksten war Tini Kainrath, und zusammen mit Georgij Makazaria brachte sie in No Time For Revolution die Disco zum Brodeln. (Foto © U4)
Russkaja-Frontman Makazaria ist nicht nur ein echter Stimmungsmacher, er hat auch als Teufel in Dance Mephisto schauspielerische Sangeskraft, so wie sie Falco drauf hatte - allerdings in anderer Manier.
Ein aggressiver Anheizer ist Roman Gregory, der die Idee zu dem ganzen Event hatte.
Einen "kaputten" gealterten Jeanny-Entführer mimte Haymon Buttinger, wobei die Darstellungskunst hauptsächlich auf die Requisiten begrenzt war.
Die Originalband (hier Peter Paul Skrepek) verstand sich an diesem Abend exakt so, wie sie für Falco spielte…



… wo zum Beispiel Trompeter Bernhard Rabitsch auch als Percussionist und Chorsänger auftrat. Dass er, so wie auch jedes andere Band-Mitglied, eigentlich solistisch mehr zu bieten hat, war zwei Tage später zu bestaunen ...



Auch 2015 stand der Februar zweimal im Zeichen des Falken, der in diesem Monat vor 58 Jahren auf die Welt kam und in diesem Monat vor 18 Jahren aus ihr ging. Dieses Mal geschah das aber in ziemlich authentischer Form: denn Falcos Originalband fand sich nach sieben Jahren fast vollzählig ein; nur der in den USA anderweitig engagierte Schlagzeuger Thomas Lang fehlte. Falcos Bandleader und Keyboarder Thomas Rabitsch liess sich von Alkbottle-Sänger Roman Gregory zum Konzert im Wiener U4, am 19.2., hinreißen. Ob allerdings der Titel Die Goldfisch wirklich ausreicht, um "diese Band", die ja "nur" aus der Originalband Falcos (Thomas Rabitsch, Peter Paul Skrepek (git), Bertl Pistracher (bass), Bernhard Rabitsch (tromp, chor) sowie dem frühen Falco-Gitarristen Peter Vieweger) mit Schlagzeuger Florian Holoubek besteht, "eigenständig" zu positionieren, ist fragwürdig. Denn tatsächlich unterschied sich das diesjährige U4-Konzert kaum vom jenem von 2008 anlässlich Falcos 10. Todestages, wo verschiedene bekannte Sänger der österreichischen Musikszene einzelne Hits darboten. - intimacy: art hat darüber ausführlich berichtet: siehe Link.

Viele Sänger verderben nicht immer das Konzert


Das Unterscheidbarkeits-Quäntchen lag heuer allein darin, dass die acht Sänger oftmals im Duo oder Trio auftraten, sodass sich eine gewisse Atmosphäre der interpretatorischen "Beliebigkeit" einstellte. Das Vorhaben Gregorys, "Falcos Songs Leben einzuhauchen und die gegenwärtige Sangesszene jene zelebrieren zu lassen" erfüllte sich zwar in Sachen "engagierter Unterhaltung", denn Roman Gregory und Hans "Anzo" Morawitz bemühten sich als animierender Auftakt mit Hits wie Wiener Blut und Ganz Wien sichtlich, Schwung auf die enge Bühne mit niederer Decke zu bringen. Dazu gesellte sich noch Springinkerl Andie Gabauer - der Mann mit der schönen Dancing-Stars-Stimme -, den Egoist(en) und Junge(n) Roemer nahm man dem adretten Turnschuh-Buben in den gleichnamigen Liedern aber nicht ab. Konkret gesagt: Gabauer sollte definitiv an seiner Performance arbeiten, um auch den Inhalt des von ihm klassifizierten "genialen Lyrikers Falco" zu transportieren. Dann wirkt auch sein hübscher Ton expressiver.

Kainrath und Makazaria - die kraftvollsten Blick- und Gehörfänger


Stimmiger wurde Gabauers Amerika-Darbietung mit Tini Kainrath, weil sie beide ausgezeichnete Sänger sind und einander zu motivieren verstehen. Die einnehmende Sängerin im grünen Glitzerkleid ließ außerdem das coole Brillantin Brutal als Solo und Emotional mit Roman Gregory temperamentvoll erstrahlen. Ihren Sager "es ist ja jeder für sich emotional, und man soll sowieso nie so klingen wie das Original, aber möglichst dieselbe Kraft haben" scheint sie einverleibt zu haben. Das hatte seine größte Wirkung im dark-metal-stimm-gewaltigen Duo No Time For Revolution mit dem theatral ungemein starken Georgij Makazaria, überraschenderweise überhaupt das Highlight  des Abends, obschon dieses Lied nicht zu den großen Falco-Hits gehört. Mit seinem neuzeitlich adaptierten Computer-Hardcore-Sound hätte die U4-Disco-Atmosphäre nicht passender gefüllt werden können. Der Teufel, den auch Falco gut drauf hatte, verkörperte Makazaria schließlich in Dance Mephisto, sodass die Funken nur so sprühten. Das Duett mit Gregory machte danach auch das zweideutige Mutter, der Mann mit dem Koks ist da bedrohlich lebendig. 

Viel, aber zu wenig geprobt


Daraufhin Haymon Buttinger als "echten" Schauspieler anzukündigen, war im Ablauf gut geplant, die Theaterleistung in Spiel und Gesang bei Jeanny kam aber eher als sarkastische "Ich-mag-dieses-kitschige-Lied-eigentlich-nicht-sonderlich" rüber, ganz so, wie es bereits Drahdiwaberl-Kopf Stefan Weber in den vergangenen Jahren interpretiert hatte. Nur dass Weber mit einem Urinkübel spielte, während Buttinger als alter, zerfallener Mann mit Sonnenbrille eine antike Puppe mit zerschlagenem Gesicht in den Händen hielt. ( - Sollte das, wenn er heute noch lebte, Falco sein?) Dann folgte der bewährte Auf der Flucht- und Der Kommissar-Rapper Skero, nur dass sein äußeres Erscheinungsbild und damit auch seine Gesangeshaltung dieses Mal nicht den Dandy mimten. Potential hat Vienna Calling von der stimmlich farbreichen und spezifischen Minisex-Legende, Rudi Nemeczek, gerade wegen seines Bewusstseins über seine Probleme mit der "Textsicherheit, weil der Falco hat so atmosphärische, assoziative Texte geschrieben, die nicht eine normale Geschichte erzählen. Und da muss man sehr lange üben, bis man das drauf hat". 


Tolle Partystimmung trotz Musiker-Unterforderung


Zum Finale war die Stimmung im vollen U4 ausgelassen, denn wie Thomas Rabitsch selbst scherzhaft über sich und die alte Band sagt, spielte hier eine "Altherren-Partie" für eine, laut Gregory, "bunte" Sängerschar, was denn auch in ausreichend "Spannung" münden sollte. Dass selbst dafür intensive Proben nötig waren, kommentierte Rabitsch für die Musiker sprechend ( - die die Lieder ja auswendig können -) ironisch auflachend mit: "Naja, man will sich ja keine Blöße geben, vor allem wegen der Interpreten". Ob das musikalische Erbe Falcos letztlich aber vollendet ins Heute übertragen wurde, blieb offen. Umso mehr, da zwei Tage später der Vergleich mit einem Konzert ganz anderen Zugangs möglich wurde.



EIN EINZIGARTIGES MUSIK-ERLEBNIS: DIE 7. FALCO CONVENTION WURDE ZUM ÜBERRASCHUNGSKONZERT DES JAHRES. DER WERMUTSTROPFEN FÜR DIE VERANSTALTER: VON JETZT AN LIEGEN DIE ERWARTUNGEN BEIM PUBLIKUM HOCH …


Am 21. Februar 2015 kam es im Orpheum bei der Falco-Convention VII zu einem unvergesslichen Konzertereignis: die sympathischen Interpreten, Martin Böhm und Alex
Sailer, traten dafür im harmonischen Doppel auf. (Orpheum-Fotos,
wenn nicht anders angegeben © Dietmar Lipkovich)

Tenorsaxophonist Harry Sokal führte als Solist das rhythmische Punkte setzende und Fanfaren-artige Bläser-Sextett an, das immer wieder für mitreißende Funky- und Jazz-Spitzen sorgte …

…hier "Drei von Sechs": Harry Sokal, Trompeter Martin Milanovich und Falco-Originalband-Trompeter Bernhard Rabitsch.

Die anspruchsvollen Arrangements kamen von Falco-Originalband-Gitarrist, Peter Paul Skrepek, der sich nicht nur selbst herausforderte …

… sondern auch die Sanges-Interpreten Sailer und Böhm, die sonst in eigenen Bands auftreten ...

… das künstlerische Geheimnis lag durchgehend in der Luft. (Foto © Elfi Oberhuber)

Die Falco-Originalband und Falco-Tributeband - zu beiden gehört Skrepek - hatten kein Problem, auch mit der Band Sappalot und deren Frontman Alex Sailer ein rasantes Falco-Gefühl zu erschaffen.

Sappalot - hier Gitarrist Martin Edelmann neben Sailer - traten auch in Reinkultur als Falco-Interpreten auf. Der Hard-Rock-Zugang ist unverkennbar …

… wobei die Band für diesen Zugang ungewöhnliche Instrumente verwendet, wie die Mundharmonika (sorgte für Bewunderung: Johann Allacher) und das Tenorsaxofon von und mit Edgar Pleyer.

Trotzdem war man dann erfreut, wenn wieder die "Originale" um Martin Böhm mit "gewohnten" Tempi und solidem Gesang samt Chor - Sheila Fernandez, Bernhard Rabitsch, Martin Hulan und Eliza Mandzik - auftraten.





 

 

FALCO CONVENTION VII



Bei der Falco Convention VII im Wiener Orpheum war die Falco-Originalband am 21.2.2015 keine "Altherren"-Partie mehr, sondern sie bestand aus Musikerpersönlichkeiten, die jeder für sich zeigen konnte, warum sie den Ruf des legendären Originals genießt. Außerdem gesellten sich zwischen die "Alten" ein paar junge Musiker, sodass das Alter auch optisch keine Rolle mehr spielte. Zusammen ergab das rein instrumental eine Big Band erster Güte, wo der Ton der Lieder so rhythmisch exakt saß, die Lieder so sehr einverleibt und aus dem "Im-Schlaf-Können" heraus abstrahiert und erweitert wurden, dass Überraschung und Drive für den Falco-Fan und vielseitigen Musikliebhaber zum freudigsten Abenteuer wurden. Arrangiert wurden die Hits von E-Gitarrist Peter Paul Skrepek.

Gewaltstark wie ein Donnerschlag: der Konzertbeginn


Es fing schon aufregend an: nach der kleinen U4-Bühne erschien die Orpheum-Bühne geradezu gigantisch, sodass diese Meister ihres Fachs gebührend rüberkamen. 13 Musiker und zwei Sänger, die Frontmen der Falco-Tributeband (Martin Böhm, der auch der Konzertveranstalter ist) und von Sappalot (Alex Sailer), eröffneten mit Auf der Flucht eindrucksvoll und rasant durch punktgenau gespielte Energie. Gesteigert wurde jene noch in Der Kommissar, wo der sechsköpfige Bläsersatz mit Bernhard Rabitsch (Tromp, Flügelhorn), Harry Sokal (Tenorsax), Thomas Faulhammer (Baritonsax, Flute), Alois Eberl (Posaune), Edgar Pleyer (Tenorsax) und Martin Milanovich (Tromp, Flügelhorn) so funky wirkte, als wären die James-Brown-Meister Pee Wee Ellis und Fred Wesley höchstpersönlich anwesend. Lichtgestalt Sokal gibt dabei sein erstes Solo, das mit allen Bläsern im mitreißenden Titellied der Cop-TV-Serie Die Straßen von San Francisco von Patrick Williams mündet - eine ungemein geistreiche und musikalisch erstaunlich passende Assoziation. Im dritten Lied Amerika mit kurzem,  neben amerikanischer Bundeshymne, live gespieltem Mozart-Zitat konnte man sich als - ob des instrumentalen Aufgebots - verblüffter Zuschauer erstmals bewusst auf die beiden gut gelaunten und motivierten Sänger konzentrieren, die schon optisch, gleich groß, in fast derselben schwarzen T-Shirt-Hemd-Gilet und Dreitagebart-Aufmachung wie ein verstärktes Doppel eines Frontmannes erschienen, was denn auch ihr synchroner einstimmiger und voller Gesang unterstrich. Vor dem vielsagenden musikalischen Hintergrund war es somit nicht nötig, als Interpret noch extra eine Betonung und theatrale Deutung draufzugeben.

Die Hardrock-Falco-Interpreten: Sappalot


Dann lösten sich einige Musiker aus der "Big Band" heraus, sie gesellten sich zu neu auftretenden Instrumentalisten und stellten sich als Band Sappalot vor  - die Bläser Edgar Pleyer und Martin Milanovich, Gitarrist und Background-Sänger Martin Edelmann, Bassist Hardy Wallner, Keyboarder Heinz Schwarz, Gitarrist Reinhard Sacher, Schlagzeuger Wolfgang Frühbauer und Mundharmonika-Spieler Johann Allacher. Sappalot interpretierte vier Falco-Nummern, darunter auch die selten gespielten Lieder Ihre Tochter und Kann es Liebe sein mit verwegenem, härterem Gitarrensolo Edelmanns als es Falco-Originalgitarrist Skrepek spielen würde. Überhaupt interpretiert Sappalot die Lieder eher im Stil von jungen Outlaws, schneller, fahriger und auch schleissiger als die Originale, vielleicht sogar in Richtung Punk-Rock. Und wenn Sänger Sailer in Hinblick auf Falco etwas mehr drauf hat als Böhm, dann ist es Falcos Arroganz in der Stimme; was beiden Sängern fehlt, ist der "raffinierte Lyriker" und "extravagante Schauspieler" Falco.

Falcos Originalband mit neu aufgeteilten Rollen


Nach der beintechnisch und körperlich wendigen "Jugend" - Sailer outete sich als Jahrgang ´80, demnach war mancher von Sappalot gerade einmal fünf Jahre alt, als Falco seine größten Erfolge feierte - freute man sich schon wieder auf die exakten "Altmeister": Keyboarder Thomas Rabitsch, Trompeter Bernhard Rabitsch, Gitarrist Peter Paul Skrepek, Bassist Bertl Pistracher von Falco, sowie den langjährigen Falco-Tributeband-Schlagzeuger Peter Barborik und -Keyboarder Barnabas Juhasz. In Wiener Blut, Verdammt, wir leben noch und Emotional wurden sie von den Chorsängern Martin Hulan, Eliza Mandzik und Sheila Fernandez unterstützt. Hier zeigte Sänger Böhm, dass er der richtige Mann für Falcos gefühlvollen Lieder ist. Er widmete das letzte Lied tatsächlich seiner anwesenden Liebsten, wodurch die Verinnerlichung seiner Darbietung nachvollziehbar wurde.
Mit der Erwähnung, dass Thomas Rabitsch bei Falco, und Skrepek bei Hansi Dujmic, wo sie ja beide spielten, jeweils Kapellmeister gewesen seien, schien nun vice versa Skrepek an diesem Falco-Abend jene Rolle inne zu haben, indem er den Einsatz zum umwerfenden, frisch geschriebene Bläser-Intro von Ganz Wien gab. - Das Stichwort für den Auftritt von Stargast Boris Bukowski, der mit seiner rauchigen Stimme und Entrücktheit Kunst-Atmosphäre verströmte.

Textinterpret Bukowski auf Falcos Theaterspuren


Im rauchigen Nebelmeer hält er sich einen langen Moment pathetisch die Augen zu und singt über die Angst vor der und zugleich Lust auf die Außenwelt im ebenfalls neu arrangierten Psychiatrie-Schicksal-Hit Euer Fritze mit der Spritze. Das ist düster. Der Sänger lockert die Stimmung auf, indem er von einem Insider-Witz zwischen Falco und Tina Turners Mann erzählt, worin sie sich selbstironisch über ihre Trinklust amüsieren. Darauf folgt Bukowskis 80er Hit Kokain mit anspruchsvollem Tenorsaxofon- und Gitarren-Solo. Natürlich kann das niemand authentischer darbieten als er selbst. Nachtflug singt Bukowski schließlich im Duett mit Falco, der im Zuge des Konzerts immer wieder von der Videoleinwand agiert. Über die Liebesebene sind wir damit von der "Drogen-" in der "Sehn-Sucht" gelandet: Bukowski singt Jeanny mit aufrichtigem Feingefühl, nachdem Skrepek über sein anfangs zärtliches Gitarrensolo darauf hinweist, wie schön die Melodie dieses Liedes sein kann, wenn man sich wirklich ernsthaft damit auseinandersetzt.

Musikalische Querverweise mit Kabarettnummer


Nach der Pause "lüften" Sappalot und die Originalband in Vollbesetzung (20 Musiker) mit eigenen Worten "durch". Zuerst mit Montevideo von Falco-Wegbegleiter Hansi Lang, gesungen von den "Zwillingen" gleicher Attitüde, Böhm und Sailer. Es folgt die 1980-er Monster-Sturm-Nummer Sledgehammer von Peter Gabriel, die mit Harry-Sokal-Solo und trotz kurzer Tempo-Unstimmigkeit zwischen den Gitarristen und dem Schlagzeug für Blitzenergie sorgt. Dann kündet Sappalot das 1970er-Urgestein AC/DC an, was fast so etwas wie vorausahnenden Schock auslöst: Gespielt in ihrem Stil ist dieser Hard-Rock-"Durchzug" trotz Sailers Stimme, die bei hochrotem Kopf tatsächlich klingt wie jene von Leadsänger Brian Johnson, dann aber doch nicht so frostig. Er macht viel mehr deutlich, woher die fahrige, "hard-rockige" Falco-Herangehensweise von Sappalot im Grunde kommt. Brillantin Brutal ist im Vergleich zu dieser musik-stilistisch einschlägigen Nummer wieder Falco-gemäßigt, und mit Hoch wie nie liefert Sappalot überhaupt ihre beste Interpretation: mit der Blues-Harp-Mundharmonika von Johann Allacher, die ein Flair Wilden Westens verbreitet. Out Of The Dark scheint dagegen eher ein Kampf zwischen Bläsern und Bühnennebel zu sein, und Sappalots Titanic führt als deren letztes Lied härter als gewohnt zur "Originalband" über: Vienna Calling, wieder gemeinsam von Sailer und Böhm gesungen, ist im Originaltempo sofort zu erkennen, doch Keyboarder Thomas Rabitsch spricht anfangs statt des Telefonstimmen-Zuspielers "Hallo? Vienna Calling?" mit zugehaltener Nase. Das ist zunächst irritierend, löst sich dann aber zum runden Bühnenwitz auf, indem Gitarrist Skrepek als Wiens Altbürgermeister Helmut Zilk (er ist auch als Zilk-Darsteller bekannt) antwortet: "Rathaus, bitte warten. Sie können auf das Tonband des Wiener Rathauses sprechen!" Vom "sehr musikalischen und niveauvollen" Arrangement "des Herrn 'Vize'-Bürgermeisters" im darauffolgenden Nur mit Dir kann dann auch Leadsänger Böhm nur schwärmen - und das zurecht.

Junge Roemer - Unvergessliches Kino der Sinne


Und dann kommt er: der Höhepunkt des Abends. Junge Roemer wird schon seit ein paar Convention-Jahren im langsam zu spielenden Arrangement Skrepeks dargeboten. Heuer wird es jedoch zum wahren Kino der Sinne, zum abenteuerlichen Action-Konzert voller Dramatik, mit durchgehender Spannung und Angst vor dem Untergang, letztlich aber mit Happy End. Schon nach dem ersten Drittel wird klar, dass hier ein Experiment höchster Musikkunst im Gang ist, wobei der charmante Sänger Böhm nicht recht weiss, was da unter den Musikern vor sich geht. Nicht etwa, dass jeder von ihnen die Gunst der Stunde nutzt, um sich einmal ein obligatorisches Solo runter zu holen. Es ist eher so, dass es nach Böhms zu frühem Stimmeinsatz mit Blick eines jeden Musikers auf Skrepeks Einsatz notwendig wird, dass zuerst Alois Eberl, unterstützt von den anderen Bläsern, ein auffallend gutes Posaunen-Solo vorlegt. Dann überrascht Thomas Rabitsch mit seinem Keyboard-"Klavier" mit einer ungewöhnlich künstlerischen Improvisation. Und schließlich zaubert Peter Paul Skrepek ein sehr liebevolles Gitarrenspiel hervor, bis der letzte Refrain einsetzen kann. Bei all dieser Unmittelbarkeit und Spontaneität entsteht ein akustisches und handlungsreiches Meisterwerk, das sich wahrscheinlich nie wiederholen lassen können wird. Böhm ruft noch verzweifelt, "der Skrepek sagt immer, das geht dann schon …", wissend, dass gerade etwas Großartiges passiert ist. Worauf ein Zuschauer gen Bühne ruft: "Der hat Euch aber jetzt den Hintern versohlt!" - Zum Ausatmen der Anspannung und Erregung - für Musiker und Zuschauer - reichte daraufhin das originale Rock Me Amadeus, das hauptsächlich durch Zuspieler funktionierte.

Ein Rausch geht zuende


Nach tosendem Applaus des schon seit Tagen ausverkauften Orpheums, bekamen die 600 Besucher als Zugabe noch Falcos bei Live-Konzerten stets interpretierte Bob-Dylan-Nummer Baby Blue serviert, wo der brillante Pianist Barnabas Juhasz neben dem wie Miles Davis klingenden Bernhard Rabitsch noch für jazz-bluesiges Hochgefühl sorgten, während Böhm und Sheila Fernandez ein zärtliches Mann-Frau-Duett sangen. Mit der Falco-Hymne Helden von Heute gingen die berauschten Zuschauer nach Hause. Ein unvergesslicher Abend!

Hochwertiges, neues Eigenprofil durch Herausforderung der Instrumentalisten


Dank dieses Ansatzes - Instrumental-Kapazunder für niveauvolle Arrangements einer Big Band - ist es der Falco-Tributeband erstmals seit ihrem Bestehen gelungen, "Eigenständigkeit" als individuelle Kunstform, die musikhistorisch relevant werden könnte, zu erreichen. Höchstwahrscheinlich kam das so, weil sich die Falco-Originalband mit ihrem speziellen Knowhow in den Dienst des Versuchs gestellt hat, hier etwas Neues zu erschaffen. Stand bisher "Falco" in seiner Vielseitigkeit im Mittelpunkt, der man nachtrauerte, so kommt es jetzt zur echten "Wiederbelebung", wobei "ein interpretierender Falco" in jedem Bühnenperformer und Musikdetail sitzt. Der Musikstil ist als herangereifte Form mit Falcos Handschrift kompatibel, der jeweils Rap, Pop, Jazz, Funk, Klassik, Rock, Ballade oder später auch Techno-Stil für seine Lieder mit signifikantem Text kombinierte. Falco selbst war für die Entwicklung und den Fortschritt: "Ich glaube nicht, dass man mich heute noch als machohaft sieht, man wird mir ja auch nicht unterstellen, dass ich es heute nicht besser weiss, als vor zehn Jahren, nicht?", sagte er 1996 bei der Harald-Schmidt-Show. Für Falco-Hardcore-Fans, die indessen nicht akzeptieren wollen, dass ein hochtalentierter Künstler der 80-er Jahre heute wahrscheinlich ebenfalls seine eigenen Hits in Live-Konzerten interpretieren würde - denn auch solche Leute waren anwesend -, wäre es vielleicht besser, im kleinen Rahmen ein Nostalgiefest mit Original-Falco-Videos und Schallplatten abzuhalten. Die Falco-Tribute-Original-Band indessen hätte im "Da capo" der Falco Convention VII Konzerthaus- oder Stadthallen-Potential, wo heute dasselbe bunt gemischte Publikum kommt wie bei einem experimentell überraschenden Prince, bei einem feinsinnig unterhaltenden David Byrne und einem hoch-energetischen (leider bereits verstorbenen) James Brown.  e.o.

Martin Böhm ist einer der wenigen Interpreten, der die gefühlvollen Falco-Lieder echt stark singen kann …
… auch Stargast Boris Bukowski machte sich über Jeanny nicht lustig.  (Foto © Elfi Oberhuber)
Bukowski - mit pathetischer Geste zu Beginn - sang auch seine eigenen Lieder über Drogensucht authentisch besinnlich.

Die ernsthafte Auseinandersetzung zeigt erst die schöne Melodie von dramatischen Liedern, die hier außerdem für die Musiker des Abends arrangiert worden waren … (Foto © Elfi Oberhuber)
… mit von der feinen Bläserpartie: Thomas Faulhammer. (Foto © Elfi Oberhuber)


Bei so einer musikalischen Hingabe gerät auch Bukowski in Verzückung.

Dank der neuen Arrangements konnte man sich auch von Thomas Rabitschs abstrakten Fähigkeiten als Solist überzeugen: in Skrepeks Glanz-Stück Junge Roemer.

Das war´s: Ein Großaufgebot an Musikern und Sängern
für ein neues, künstlerisches Falco-Erlebnis!










- Die Zitate in der "Die Goldfisch-Kritik" sind O-Töne von Interviews der TV-Sendung
Heute Leben
, 20.2.2015 ORF)

 
 
DAS URTEIL
 
MIT DER FALCO CONVENTION VII IST DER FALCO-(TRIBUTE)BAND EIN KONZERT MIT KÜNSTLERISCHER EIGENSTÄNDIGKEIT UND HOHEM ANSPRUCH GELUNGEN. UMSO KLARER WURDE DAS DURCH DEN DIREKTEN VERGLEICH MIT SAPPALOT, DIE IN EINE ANDERE RICHTUNG INTERPRETIERT. - DIE U4-NACHT WAR INDESSEN EINE FÜR DAS ETABLISSEMENT PASSENDE, UNTERHALTSAME PARTY.

 
 
KONZERT A Tribute To Falco - Gedenkkonzert * Falco-Band feat. Reinhold Bilgeri und Bella Wagner (Voc.), moderiert von Udo Huber * Mit: Falco-Tributeband: Martin Böhm (voc), Bernhard Rabitsch (tromp, chor), Peter Paul Skrepek (git), Rue Kostron (bass), Peter Barborik (dr), Barnabas Juhasz (keyb) * Mit Bläsersatz – arrangiert von Peter Paul Skrepek (alle Falco-Nummern) und Bernhard Rabitsch (Reinhold Bilgeris "Desperado") –, gespielt von Bernhard Rabitsch (tromp), Harry Sokal (tenorsax), Otmar Klein (bariton-, altosax), Clemens Hofer (Posaune)  * Ort:  Stadthalle Ybbs, Kaiser-Josef-Platz 2, 3370 Ybbs * Zeit: 27.4.2017, 19h30
--> Info und Ticket-Link


Zwei Hörproben zur Falco-Convention 2014 mit Bella Wagner:
https://www.youtube.com/watch?v=eaynWQwIFKE 
 https://www.youtube.com/watch?v=qS9CWeZwCBE
 

Nachbericht zum Falco-Konzert 2017 als Abschluss der Ybbsiade:
https://www.youtube.com/watch?v=hrrYiclb7cM

KONZERT Falco Night 2015 … im U4 geig´n die Goldfisch… * Voc: Hans „Anzo“ Morawitz, Andie Gabauer, Tini Kainrath, Roman Gregory, Georgij Makazaria, Skero, Rudi Nemeczek, Haymon Buttinger * Mit: Falco-Originalband: Thomas Rabitsch (keyb), Bernhard Rabitsch (tromp, chor), Peter Paul Skrepek (git), Bertl Pistracher (bass), Peter Vieweger (git) * Mit: Florian Holoubek (dr) * Ort: U4 1120 Wien * Zeit: 19.2.2015, 21h


KONZERT Falco Convention VII * Mit Falco-Originalband: Thomas Rabitsch (keyb, voc, arr), Bernhard Rabitsch (tromp, chor, Flügelhorn, perc), Peter Paul Skrepek (git, voc, arr), Bertl Pistracher (bass) *Mit Falco-Tributeband: Martin Böhm (voc), Peter Paul Skrepek (git, voc, arr), Bertl Pistracher (bass), Peter Barborik (dr), Barnabas Juhasz (keyb) * Mit Bläsersatz: Bernhard Rabitsch (tromp, Flügelhorn), Harry Sokal (tenorsax), Thomas Faulhammer (baritonsax, flute), Edgar Pleyer (tenorsax), Alois Eberl (Posaune), Martin Milanovich (tromp, Flügelhorn) * Mit Chor: Martin Hulan, Eliza Mandzik, Sheila Fernandez * Mit Sappalot: Alex Sailer (voc), Martin Edelmann (git, voc), Hardy Wallner (bass), Heinz Schwarz (keyb), Reinhard Sacher (git), Wolfgang Frühbauer (dr), Johann Allacher (Mundharmonika), Martin Milanovich (tromp, Flügelhorn), Edgar Pleyer (tenorsax) * Special Guest: Boris Bukowski (voc), Harry Sokal (Solo-tenorsax) * Ort: Orpheum Wien * Zeit: 21.2.2015, 20h30