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Saturday, August 30, 2008

OPER: ERNST KRENEKs "KARL V." ALLZEIT-ERMAHNEND BEI UWE ERIC LAUFENBERG



















"Lehrer" Karl V. hat sich in seiner Verantwortung nicht nur vor dem Gemälde "Jüngstes Gericht" und damit Gott (seinem Gewissen) zu stellen ...

... sondern auch als Historiengestalt dem "lernenden Menschennachwuchs", der ihn bestenfalls nicht zum Vorbild nehmen sollte.

Denn sonst wird sich der Mensch wie in allen Jahrhunderten zuvor, - von seinen Trieben geleitet - militant nehmen, was ihm nur vordergründig zu nützen und seine Macht ebenso zu befriedigen scheint. Wie hier die verschacherte Schwester Eleonore (Nicola Beller Carbone) als symbolisches "Frauenobjekt" der Begierde.













Die groteske globale Kugel wirkt zwar ästhetisch schön, der Traum vom Weltreich muss aber anders ausgelebt werden: in der menschlichen Größe der Humanität vielleicht - das weiß der sterbende Karl V. (Fotos © Bregenzer Festspiele / Karl Forster)


FESTSPIELHAUS - BREGENZER FESTSPIELE UWE ERIC LAUFENBERG MACHT DIE PACKENDE HISTORIENGESTALT KARL V. IN ERNST KRENEKS ZWÖLFTONOPER ZUM AUSGEBUHTEN LEHRER DER 30-er JAHRE

Man wundert sich zuweilen ob der in Ignoranz "gekleideten" Unkultur sogenannter Kritiker. Auf einen privat seit fünfzig Jahren chorisch tenor-singenden Musikliebhaber, der sich nun in der Funktion eines ebensolchen Opernbeschreibers wiederfindet, macht so eine Person, die während der heuer von den Bregenzer Festspielen aufgespürten Opernrarität Karl V. (Uraufführung 1938 in Prag) durchgehend schläft, einen nicht gerade überzeugenden Eindruck. Ich dagegen kann für meine Person versichern, mich zu diesem Behufe in einen meiner "besten Anzüge samt weißen Hemdes" geschmissen zu haben. Sollte das "die alte Generation" repräsentieren, dann gehöre ich gerne dazu. Denn "wach" dem Anlaß entsprechend eingestellt und aufgewertet, sollte der Anlaß im besten Fall so besonders sein wie das ins Innere gekehrte Äußere des Kritikers selbst. Ernst Kreneks durchgehende Zwölftonoper - die erste der Operngeschichte - hat vielleicht deshalb tatsächlich einen bleibenden Effekt hinterlassen. Da kann der Mensch daneben noch so schnarchen, diese sehr eigentümliche, lebhaft von Lothar Koenigs dirigierte und von den Wiener Symphonikern gespielte Musik wird in der Erinnerung haften bleiben. So ungewöhnlich, dass sie verblüfft. Bei Tonfolgen, die zu einer akustisch vor allem dramatischen Schönheit finden, obwohl und weil sie weit von dem entfernt ist, wovon man sonst in der zeitgenössischen Oper hört. Dem leidenschaftlichen Chorsänger fällt natürlich zuerst der vielfältig und häufigst eingesetzte Solisten-Chor Camerata Silesia aus dem polnischen Katowice, einstudiert von Anna Szostak, auf, der von Schülern, Studenten bis zu Soldaten alles zu verkörpern hat. - Wie dieser den gewaltigen Text bei einer nicht gerade einfachen Melodie auswendig singt, ist schlicht gesagt eine Wucht.

Von der Gesangswucht zur subtil-doppeldeutigen Charakter-Dramaturgie

Hingegen subtil schön ist, dass diese Soldaten und Studenten keine von einander getrennten Menschengruppen repräsentieren. Regisseur Uwe Eric Laufenberg nimmt diese Besetzung bewußt vor, um zu betonen, dass zwischen den von einem Typus verkörperten Charakteren Verbindungen und psychologische Folgewirkungen quer durch die Jahrhunderte bestehen. Was dazu dient, ewige Mechanismen der Demagogie und Pädagogik zu entlarven, mit mehr oder weniger starken Kontrast-Ausscherungen zu Religion als moralische Instanz (Jüngstes Gericht) und Erotik als machtpervertierte Liebe. Da wäre zuerst die neu eingeführte "Lehrerfigur" vor der Schultafel, die bei den mit dem Rücken zum Publikum sitzenden Studenten in Kleidern aus den 30er Jahren einen Geschichtsunterricht hinsichtlich Politik und Religion abhält, in Wahrheit (im Urstoff von Anfang an) aber Karl V. entspricht, der dem jungen Beichtvater (eine von vier Sprechrollen) Juan de Regla (Moritz Führmann) nach seiner Thron-Entsagung im Kloster sein Leben und Wirken beichtet. - Diese Offenlegung im insgesamt eher puristischen Bühnenbild von Gisbert Jäkel erfährt der Besucher in Bregenz erst nach der Pause, wenn dem "Professor" als aufgebahrtem Kaiser abermals seine Geschichte vor den Augen abläuft. - Jene geisterhaften Lebensimpressionen, die einem Sterbenden bekanntlich kurz vor dem Tod erscheinen: Karl begegnen so seine wahnsinnige Mutter Juanna, Martin Luther als populärer, protestantischer Glaubensgegner, Papst Clemens VII., sowie neben anderen (Kriegs)figuren - auch solche, die im Zuge des Expansionsdrangs Karls ihr Leben ließen - Franz 1. von Frankreich, der die Uneigennützigkeit von Karl nicht versteht und deshalb von Karl bekämpft und gefangen genommen werden musste. Eine zusätzlich doppeldeutige Irritation - nämlich klanglich und charakterinterpretatorisch - schafft in dieser "Beichtsituation" ein "stotternder" Leibarzt, der Karl nicht mehr helfen kann. Selbst wenn jener kurzfristig wieder zu sich kommt und noch einmal stirbt, nachdem er schon einmal gestorben schien. Es wirkt wie ein langer, schwerer Kampf um die innere Ruhe, um endgültig aus dem Leben gehen zu können ...

Lehre aus der Geschichte wörtlich genommen

Das Sprichwort "die Lehre von der G´schicht" scheint dem Regisseur so am Herzen zu liegen, dass er es wortwörtlich und erweitert als "Lehre aus der Geschichte" auf die Bühne gestellt hat. Als wolle er sagen: Hätten die Menschen (Schüler) in den 30er Jahren, als Krenek vor dem aufkommenden Nationalsozialismus und dem ideologischen Welteroberer Adolf Hitler diese Oper schrieb, eine derartige Pädagogik erfahren und bereits zu diesem Zeitpunkt - wie hier der Studentenchor gegen die Eroberungspolitik eines Weltführers (Karl V.) - aufgeschrien, dann wäre es nie zu einem Krieg gekommen. Dann könnten derartige, ideologisch "selbstüberzeugt und (für sich selbst) gut" gemeinten Parolen eines jeweiligen Ideologen zur Einigung / Vereinheitlichung kaum fruchten - egal ob im Sinne der katholischen Religion als Weltfrieden eines Karl V. oder der "besseren nationalsozialistischen Herrenrasse" eines Hitlers ... oder ob im Sinne wirtschaftskapitalistischer, globaler oder auch nur EU-pauschal-weiter Interessen wie heute.....womit wir - sehr subtil angedeutet - auch im politischen Jetzt gelandet sind.

Auf dritter Ebene steht die rebellische Studentenreaktion schließlich noch für die generelle Ablehnung des derzeit bestehenden Schulwesens, das keine Menschen mit Zivilcourage und humaner Eigenmeinung hervor zu bringen vermag. Das betont dezidiert eine Szene im zweiten Akt, wo aus den Studenten Soldaten geworden sind, die Karls Schwester Eleonore (schöner Sopran: Nicola Beller Carbone) sexuell mißbrauchen - eine Metapher dafür, dass Bruder Karl sie (als Frau) zugunsten der Weltpolitik mit seinem "Feind" Franz I. von Frankreich verkuppelte und jenen dann im Säbelgefecht wegen einer Liebesaffäre mit einer anderen tötete. - So viel Blut am Ende des Lebens lässt Karl einsichtig werden: Er will nicht mehr kämpfen und ächzt: "Der wahre Weise soll die Welt ihren Weg gehen lassen, ohne einzugreifen."

Assoziation zum Weltreich im globalen Heute

Trotz Aufforderung seines Bruders Ferdinand, das gefährdete Reich zu retten, entsagt Karl noch der Weltreich-Idee, bevor er stirbt. Karl V., den Bariton Dietrich Henschel als magerer Professor expressiv verunsichert interpretiert, hinterlässt als mächtige Historiengestalt somit einmal mehr die Erkenntnis, dass ein Weltreich nur so lange einigermaßen harmonisch zu halten ist, sofern es - wie bei ihm selbst - durch glückliche Heirat und Erbschaft gewonnen wurde. Sobald jedoch mit kriegerischem Gedanken "noch mehr" gewollt wird, ist es auch schon zum Untergang verurteilt. Ob das heutige Motiv des "Marktes" bessere Chancen hat? ... Nichts Gutes verheißt jedenfalls die rollende, schwarze Riesenkugel über dem und um den sterbenden Staatsmann als satirisch aberwitziges und mahnungsvolles "Global-Symbol"...

So viel von einem alten Mann, der wach geblieben ist, zu einem von vielen jungen Männern, die es vorziehen zu schlafen ...
Kritiker: Josef Oberhuber (Red. e.o.)


DAS URTEIL KRENEKS SEHR EIGENE MUSIK MIT GROSSARTIGEM CHOR LÄSST EINEN WUNDERN, WIE SICH GLOBALER EXPANSIONSDRANG ÜBERHAUPT ENTWICKELN KANN: WELTENHERRSCHER KARL V. WIRD ZUR TRAUERGESTALT.

OPER Karl V. * Von: Ernst Krenek * Regie: Uwe Eric Laufenberg * Dirigat: Lothar Koenigs * Mit: Wiener Symphonikern * Mit: Sängerensemble Katowice - Camerata Silesia - Chorleitung: Anna Szostak * Mit: Dietrich Henschel, Dietrich Henschel, Chariklia Mavropoulou, Nicola Beller Carbone, Hubert Francis, Cassandra McConnell, Moritz Führmann, Christoph Homberger, Matthias Klink, Alexander Mayr, Thomas Johannes Mayer, Cassandra McConnell, Katia Velletaz, Chariklia Mavropoulou, Katrin Wundsam * Ort: Bregenzer Festspielhaus * Zeit: 27.7.-3.8.2008

Thursday, March 27, 2008

MUSIK: WENDE DER INTELLEKT-JUDEN DANIEL KAHN & GEOFF BERNER ZU YURIY GURZHYS HIRNARMER RUSSENDISKO

Rabe, 2007 (Foto © Elfi Oberhuber)

Was,
wenn der schwarze Rabe nicht schwarz ist, sondern rot, grün, blau,
wenn er nicht christlich böse wäre,
nur weise, wie in alter griechischer Mythologie,
wenn seine gebrochene Zunge tönt,
als wäre sie neu,
als wäre sie wie sie ist,
ungebrochen,
kein Jude?
Als wäre sie nur ein Mensch,
wie du und ich,
wie ich and you´,
wie ich und Jud´.
(e.o.)


Daniel Kahn hat das Tiersymbol des Raben zum Leitbild seiner Gruppe The Painted Bird erkoren: Was, wenn der Rabe nicht schwarz = böse gelte, sondern bunt - und damit "historisch befreit" - wäre, so wie "der Jude" ...

Der intellektuelle jüdische US-Songwriter aus Detroit vereint Punk-Cabaret und schmerzliche Nachdenklichkeit in seiner Musik: für ihn sollten Zungen ungebrochen, Vögel (Raben) frei sein ...

Wenn Juden so ausdrucksstark-klug wie Kahn, so schön wie Bassist Michael Tuttle, und so virtuos wie Beide sind, dann müßte das eigentlich die schärfste Menschenart sein ...

... wobei auch der punkstarke - den besoffenen Rabbi spielende - Geoff Berner nicht zu verachten ist, der selbstbewußt selbstironisch gegenüber dem Judentum textet und singt. (Konzert-Fotos © cinema-paradiso.at)

















Leider endete diese Intellektuellen-Energie in der Russendisko - ein Hype, der symptomatisch für diese Gesellschaft ist, wo der Stumpfsinn alles Kluge einsackelt, und die Fantasie vom klugen Juden in die hirntote Realität des ost-neureichen Kapitalismus gekehrt wird.



WUK - AKKORDEONFESTIVAL DAS PUNK-CABARET VON DANIEL KAHN & THE PAINTED BIRD BRACHTE MIT DEM VERFREMDUNGSKLEZMER - ENTERTAINER GEOFF BERNER JÜDISCH-INTELLEKTUELLES FLAIR NACH WIEN. DAS ENDETE IN DER RUSSENDISKO VON YURIY GURZHY

Was hat das Sprachrohr zu bedeuten, das Daniel Kahn hier im Wiener WUK beim Auftritt vor dem Gesicht hält? Steht es für den menschlichen Schnabel? Den Schnabel eines Raben? So wird es sein, bei Daniel Kahn & The Painted Bird, übersetzt "der angemalte Vogel". Er muß einer der Vögel aus Jerzy Kosinskis Groteskennovelle The Painted Bird sein, die nach einem Amokflug in den Himmel plötzlich als angemalte Raben auf die frisch-gepflügte Erde herabstürzen. Das parabelhafte Bild besagt mit seinen drei kleinen Worten, worum es den Juden in ihrem historischen Familienbewußtsein geht, woran sie bis heute unaufhörlich arbeiten. Am Wissen um die Geschichte des Volkes, wo gleichzeitig die Sehnsucht nach Befreiung von dieser Wissenslast mitschwingt, durch neu zu schaffende Komponenten und Konnotationen oder Weglassen Bestehender. So, dass eben aus The Broken Tongue, aus der Gebrochenen Zunge - wie die letzte CD mit gleichem Covertitel der Detroit-Berliner Klezmerverfremdungsband lautet - eine umso zungenfertigere (sprachlich anerkanntere) wird. Doch wie ironisch es das Leben nun mal meint, gewinnt dieses "leidende" Volk seine massenbewegendste Eloquenz ausgerechnet aus seiner erlittenen "Geschichte". Nichts erreicht die artistische Spitze mehr als Lieder über Polen, Auschwitz, Birkenau, ...

Birkenau - 7.Titel aus der CD The Broken Tongue
(Text und Musik von Daniel Kahn,
frei beschrieben von Elfi Oberhuber)

Das Klavier so schnell, es spielt verrückt,
als wüßten die Tasten nicht
wohin, auf-ab, auf-ab, hin-her;
Die hartnäckige Geige hält ihren Ton zerrissen auf einer Höhe,
bis das schwach-klare Akkordeon beides erlöst.

Da erklingt eine balkanesk-östliche Melancholie,
ihre langatmig gespielte kurze Melodie verlangt nach Antwort,
jener in Daniel Kahns Trauer:
"Unten am Bach, wo die dünnen Birken stehn,
die Vögel mit ihren Blechstimmen in den Bäumen,
sie singen sogar noch, als die Nummern aufkommen,
als wehe darüber nichts als der Wind."

Tango-prägnant fahren Cello-Klavier fort,
"Ich war ein Lamm für den Metzger, zum Häuten",
schluchzt kaum hörbar das Akkordeon,
"ohne Zeugen in der Dunkelheit,
für jedes Wimmern & für jedes Grinsen,
während all die Nummern unaufhörlich einmarschieren.
Ein Lamm ohne Schäfer, ein Bach ohne Meer;
eine Geschichte, die ich niemandem erzählen kann als mir.
Hier ist die Moral, denn die Zeit währt nicht lang;
die Welt ist ein Biest mit einem schönen Lied.
Aaahhh..."
Angestauter Schmerz strömt durch die Violine,
leise fordert das hohe Klavier nach seinem Recht, ...

... um endlich laut und tief entschlossen vorzuwerfen:
"Der Tag, er ist vorüber & die Dämmerung ist nahe,
Die Sonne ist bedeckt durch ein Überwachungsauge
& die Wolken sind befleckt mit einer verhängnisvollen Farbe,
als hätte der Metzger sein Messer am Himmel abgewischt."
Darauf das erstarkte Akkordeon:
"Die kalten Eisenbuchstaben lauten "ARBEIT MACHT FREI"
& das erscheint wie eine Lüge, doch mag es wohl so sein,
wenn deine Arbeit ein Versuch zu vergessen ist, wie man weint
& und deine Freiheit in einer Laugengrube zu finden ist.
Ein Lamm ohne Schäfer, ein Bach ohne Meer,
Eine Geschichte, die ich niemandem erzählen kann als dir.
So erkläre mir die Moral, denn die Zeit ist nicht lang,
& die Welt ist ein Biest mit einem schönen Lied.
Aaaaahhhhhh ..."



















Auschwitz - Birkenau, 2005 (Foto © Elfi Oberhuber)

Die edle Violine.
Das Klavier stirbt leise;
das Wunderschöne fließt über,
in eine neu zusammenhängende Welt,
in die Violinenmelodie von

8. Unter Di Khurves Fun Poyln
Unter den Ruinen von Polen
(jiddischer Text von Itsik Manger music: S. Beresovsky)
Kahn singt schmerzlich trauernd im Duett mit Niki Jacobs,
frei beschrieben von Elfi Oberhuber)


Unter den Ruinen von Polen, da liegt ein Kopf mit blondem Haar.
Der Kopf & auch meine Stadt, beides liegt in Ruinen da(r).
Über den Ruinen von Polen füllt der Himmel die Häuser mit Schnee
Der blonde Kopf meines Mädchens füllt meinen Kopf mit Weh.
Mein Weh rinnt über den Schreibtisch & schreibt einen langen Brief an sie
Tränen fallen auf das Blatt
Sind echt als würden die Worte verschwimmen.
Über den Ruinen von Polen, hinauf in die Wolken des Weiß,
da fliegt in ruhigen Flügelschlägen, ein großer, schwarzer, trauriger Rabe
Es ist der große, schwarze Trauerrabe,
(Wie mein Herz in diesem Vogel lebt!)
Er treibt seine Flügel fortan weiter, während er tief trauernd sein Klagelied fliegt



















Ruine in Polen, 2006 (Foto © Elfi Oberhuber)

Instrumentales Zwischenspiel wie von Chopin,
voll von Schmerz am Verlust, Sehnsucht nach der Verlorenen,
sie antwortet von weit her mit blonder Stimme aus dem Engelreich.
Da kommt aus der Gegenrichtung
der atonale Schlußpunktakkord vom Klavier,
die Kurzschlußreaktion vom allein Verbliebenen auf der ewigen Welt,
sie füllt den Raum mit der unverzeihlichen Todesanklage ...


Birkenau als Souvenir, Intellektuell-jüdische Aura im Live-Konzert von Daniel Kahn

Birkenau und Unter den Ruinen von Polen waren allerdings keine Lieder des Konzerts, sondern lediglich Souvenire für den Begeisterten zu Haus. Und doch muss man sich fragen, wie jene(r) überhaupt so weit kommt, sich so ein Souvenir erstehen zu wollen. Wobei man mit der CD direkt nach dem Konzert sogar Enttäuschung verspüren könnte, da sie hinsichtlich theatraler Ausdruckskraft und Energie doch um vieles schwächer ist als ein Daniel Kahn mit Band live. Vielleicht liegt es an den Rabenmasken, die zahlreich auf der Bühne stehen, die die ungemein intelligente Aura auf die Musiker abstrahlen, wo einer - Bassspieler Michael Tuttle - darüber hinaus auch noch ein wahres Bild von einem Mann ist ... Diese insgesamt außergewöhnlich schöne Intelligenz sprüht so attraktiv ins Publikum, dass man den Erstbesten neben sich, wegen seiner schwarzen Locken und würdevoll gebogenen Nase "als anziehenden Juden" festzustellen glaubt, während jener besonnen, mit auf seinem Handballen gestütztem Denkerkinn die jiddisch-amerikanischen Worte Kahns zu reflektieren scheint.

Kahns Worte handeln vom Brechtschen, durch den Lautsprecher eintrichternd geschrienen "Erst kommt das Fressen, dann die Moral", erstrecken sich über eine unmögliche Liebe von einem Juden zu einer Nicht-Jüdin ("Ich kann Dir mein Leben nicht vergessn, weil ich hab Dich lieb"), über das wissenschaftlich-analysierte Gespür einer witzig schleppend gesungenen Menschenkenntnis ("Ein bequemer Parasit befällt die Maus, die die Katze frißt, deren Geist dann irgendwann die Kuh befällt ...") mit leichter Pointe, bis zur Kriegssituation in Israel mit Friedenstraum in Palästina, das durch ein gekonnt eingebettetes Solo-Programm von Tuttle am Kontrabass, Bert Hildebrandt an der Klarinette und Hampus Melin am Schlagzeug zu einem mitreißenden Ende findet, sodass man sich zu einer Schwärmerei hinreißen lassen wird, wie: "Wenn das das Judentum ausmacht, dann ist das die schärfste Rasse, die es gibt!" Auch wenn Kahn erzählt, in Graz gefragt worden zu sein: "Sind Sie ein echter Jude?" - Worauf er meinte: "Ja, ich bin schon Jude. Aber echt?"

Punkiger Intelligenz-Porno von Geoff Berner

Man schwärmt, auch weil Amerikaner Geoff Berner zwischendurch noch eine weitere Facette dieser selbstbeherrscht-reflexiven Gut-Moral-Menschen an den Tag zu legen vermag, selbst wenn er dadurch als Persönlichkeit labiler wirkt als Kahn. Wo die Selbstkritik auf das eigene Volk bei Kahn stets spielerisch und neckend bleibt, wird Berner sogar ausfallend. So bezeichnet er sich selbst als Whiskey-Rabbi, unter dessen Titel er sein bekanntestes Lied in Rock-Punk-Klezmer-Manier geschrieben hat. Mit seiner sehr schönen, helleren und trotzigeren Stimme als Kahn, spielt er bei seinem Auftritt zunächst selbst den Mikro-umwerfenden Betrunkenen und fordert seinen Kollegen auf, inzwischen einen Witz zu erzählen, bis er sich wieder gefangen hätte. Kahn ist schlagfertig genug, um darauf einzugehen: "Ein Jude geht zum Arzt, der ihm sagt: "Sie haben nur noch drei Wochen zu leben." Darauf der Jude: "Ja, aber wovon?"

Darauf legt Berner rockig "besoffen" los, um überzeugend revolutionär festzustellen: "Ich bleib betrunken und arbeitslos!", und später zu behaupten, "Ich bin mit `Maschke´ (akustisch-jiddisch Whiskey) auf die Welt gekommen", worauf Kahn trocken, mit bitter-schmerzlichem Nachgeschmack beifügt: "Das erinnert mich an meine Beschneidung. Für ein Kind ist da `Maschke´ leider nicht erlaubt." - Eine Ritualkritik gegenüber der eigenen Sippe, die durchaus sympathisch kommt.

Dann legt Berner einen Song gegen das ausgeübte Unrecht der Reichen hin, The Rich Are Going To Move To The High Ground, mit Schreien besingt er den Lucky Goddam Jew, sodass man letztenendes nicht Angst um reiche Juden hat, sondern nur noch um ihn. Diesen Mann umgibt bei aller künstlerischen Fertigkeit etwas Untergangartiges, sodass man mit ihm bestimmt nicht sein Leben, aber immerhin seine Gesellschaft teilen will. Und doch tangiert der wunde Punkt eines Kahn noch stärker. Schon weil Berners "Stupid, Stupid!"-Gerufe zu Krieg und Hitler samt Krieg-Kollaps, übertrieben agitativ ist. Aber der Mann ist nun mal jung, demnach echt punkgetrieben. Umso besser kommt seine Energie bei The Wedding Dance of the Widow Bride, worin er als Musiker die Braut zum Weinen bringt ("Weep, bride, weep!"), da ihr Bräutigam ein Sozialmarxist sei, der die Ehe für Prostitution halte: "Deshalb mußt Du ihn ficken, nur damit er die Moral einhält." Und so haben die Musiker die Braut eben depressiv einzustimmen, um sich an ihr am Männerarsch zu erfreuen. Da bleibt nur irritiert zu fragen: Ist das nun männer- oder frauenfeindlich? - Als Abart eines us-jüdisch-gebildeten Intelligenz-Porno ist es aber auf jeden Fall spannend!

Das jähe Erwachen in der Russendisko von Yuriy Gurzhy

Voller geistiger Erregung platzieren wir uns nach diesen aufregend-anspruchsvollen, erdigen zwei Klezmer-Abstraktions- und Ausdrucksvirtuosen in schwarzen Denkeranzügen ein weiteres Mal im Publikum neben unserem "nachdenklichen jüdischen Lockenkopf", um auf das ukrainisch-ungarisch-berlinerische Rotfront - Emigrantski Raggamuffin Kollektiv zu warten. Und da plötzlich, mit erstem akustischem Ertönen, entpuppt sich der anregende "Intelligenzschwarm" neben uns als enttäuschende Illusion: seine geistige Haltung eines begehrenswerten jüdisch Intellektuellen verschwindet im geistlosen Gerüttle eines hinsichtich Bewegungsästhetik reflexionsohnmächtigen West-Russen. Hier schüttelt sich ein nichtsdenkender, überarbeiteter Antibildungsbürger den Alltagsfrust vom Leib. - So schnell verpufft ein Wunschsubjekt zur armselig objekthaften Projektionsfläche. Und die Musik tut das Übrige, um ihm dabei zu "helfen". Dabei soll es sich beim Erfinder dieser sogenannten Russendisko doch um eine sprichwörtliche Koryphäe handeln: DJ Yuriy Gurzhy hat den trashigen Stilmix aus Boney M., The Clash, Taraf De Haidouks und The Upsetters zwecks "Abtanzen" angeblich vor dem "österreichischen Pendant" Russkaja, das kürzlich seine erfolgreiche Trash-CD präsentierte, als großen, neuen Musiktrend eingeleitet. Statt Techno tanzt man jetzt eben Russendisko, sie funktioniert wie Bucovina und Funk mit Takt-Betonung auf die Eins - weshalb ihr Drive so einfährt. Und obwohl in dieser neun- bis elfköpfigen Besetzung sogar Daniel Kahn - jetzt in durchschnittsmenschlichem T-Shirt - mitspielt, enthält diese live-gegebene Hiphop-Reggea-Schlager-Balkan-Klezmer-Remixerei leider keinerlei intellektuelles Flair (wie es im Funk durchaus noch vorhanden ist). Auffälligerweise läßt sich dafür jener Menschenschlag integrieren, der bereits in den 80-ern die von den Intellektuellen-Tänzern verhaßten "Tussi-Tänzer" in den Reißer- und Hausfrauendiscos ausmachte. Deren Stil lautet nach wie vor: Ein Bein neben das andere setzen und mit Kopf oder Schulter hin und her wippen, oder eben nach unten schütteln wie unser "hirnloser Neureich-Russe" (dem wir nicht wagen, den "hirnlosen Juden" unterzujubeln, und der als herkömmlicher Ost-Russe eigentlich noch zur gebildeten Lesekultur-Gesellschaft zählen könnte.) - Wir verließen diesen esprit-armen Musikbrei daher nach fünf Nummern und erfreuten uns Tage später nachhaltig an der CD The Broken Tongue von Daniel Kahn & The Painted Bird - siehe reflexive Übersetzung oben ... e.o./r.r.

KONZERT ZUM NACHHÖREN auf:
http://emap.fm/akkordeonfestival.html



DAS URTEIL EINE HOCHSTEHENDE, MUSIKTHEATRALE EXKLUSIV-DARBIETUNG JÜDISCHEN INTELLEKTS ENDETE IM KOPFLOSEN RUSSENDISKO-GESCHÜTTLE - UND DENNOCH BLIEB DIESES KONZERT AM NACHHALTIGSTEN VOM GANZEN AKKORDEONFESTIVAL IN ERINNERUNG: WEIL ES ZEIGT, WIE SICH DIE GEISTIGE ELITE IN DIESER GESELLSCHAFT DER DUMMHEIT ZU UNTERWERFEN HAT. - STARKE CHARAKTERE SOLLTEN AUSBRECHEN UND SICH DIE ZEIT NEHMEN, UM SICH DEM NIVEAU ZUZUWENDEN. ES LOHNT SICH!

KONZERT Geoff Berner * Ort: Arena * Zeit: 10.04.08 * Geoff-Berner-Videos * link: www.geoffberner.com/vidindex.htm
KONZERT Daniel Kahn bzw. Yuriy Gurzhy kommen wieder zum 5th KlezMoreFestival Vienna 2008 * Zeit: 8.-23.11.2008 * link: www.klezmore-vienna.at * Gruppen-link: www.paintedbird.net * link: www.myspace.com/thepaintedbird

Thematische Nähe
KONZERT "Lieder am Rand“ KRAMER-VERTONUNGEN * Von und mit: Hans-Eckardt Wenzel - In Kramers „Heimatland“ hat sich kein Musiker je so intensiv mit diesen Gedichten beschäftigt wie der Künstler Hans-Eckardt Wenzel aus Ostvorpommern. * Ort: Kirche Gaußplatz * Zeit: 1.4.2008: 19h30

Wednesday, March 19, 2008

KABARETT: PETER PAUL SKREPEK & HUBSI KRAMAR ÜBERLEBEN ALS ZILK UND HITLER

Hitler (Hubsi Kramar) gilt heute als weitblickender Philosoph, der im Gespräch mit Helmut Zilk (Peter Paul Skrepek) meint, "inzwischen sehr sprirituell geworden zu sein" ...... so einfach läßt sich Zilk (mit musikliebendem Skrepek darunter) aber nicht mundtot machen: "Lieber Herr Hitler, ganz ehrlich, wußten Sie über alles Bescheid ..?"Hitler (der zu Wagners Musik weint): "Ich hab diesen Krieg nie gewollt. Ich habe tausende von Joden vor den Polen gerettet!" ...










... Doch am Ende ist der naive Zilk ganz enttäuscht, wenn Hitler ins Publikum Salat spuckt und schreit: "Schwarz-Rot; Blau-Rot, das ist alles Braun! Ich hab die EU erfunden, und die Rothschilds haben die Nazis finanziert. Und Palästina und Südamerika sind sowieso ein Gemeinschaftswerk von Nazis und Zionisten!" (Fotos © Rabenhof/pertramer.at)


THEATER IM RABENHOF PETER PAUL SKREPEK UND HUBSI KRAMAR ERNEUERN ALS ÜBERLEBENSKÜNSTLER - DAS 20. JAHRHUNDERT IHRE LEGENDE VON HELMUT ZILK UND ADOLF HITLER: KEIN EVENT ZUM DRÜBERSTREUEN, SONDERN ZUM MITERLEBEN UND NACHDENKEN

Wer anläßlich der 70-Jahre-Anschluß-"Trauerlichkeiten" noch nicht genug hat von der allgemein-inflationären nationalsozialistischen Vergangenheitsbewältigung, sprich dem Thema "Hitler und seine Beziehung zum Heimatland Österreich", der sollte sich zu den Überlebenskünstlern Peter Paul Skrepek und Hubsi Kramar im Wiener Rabenhof gesellen. Denn sie spielen sich dort über das überklischeehafte Antipropagandawissen hinaus, Monty-Python-geschichtsintelligent mit ihrer eigenen Legende, indem sie ihr echtes Original aufarbeiten, das die letzten zwei Jahre als Zilk-Variation in der Roten Bar im Volkstheater ihr Lachwesen treibt. Was im Klartext heißt: Dr. Helmut Zilk, wie er skrepeksch leibt und lebt, trifft den einzigen und kramarten Adolf Hitler zum zehnjährigen Gespräch. Brandaktualisiert sind diese zwei "Lebenskünstler des 20. Jahrhunderts" damit nicht nur ihren Nichtkennern nahe zu legen - von denen es tatsächlich noch Leute jenseits der 40+ geben soll (für die Jüngeren sind sie überhaupt der Pflichttermin!!!) -, sondern auch ihren Kennern: der adäquat geistreiche Kabarettist Werner Schneyder, zum Beispiel, meinte nach der Premiere befriedigt: "Jetzt habe ich es also auch endlich gesehen."

Denn gehört hat von diesem unmöglichen, zehn Jahre existierenden Paar, schon jeder, selbst wenn sich das Gehörte vom Part des Hitler-Auftritts beim Opernball ableiten sollte, wo der Querkopf der Wiener Theaterszene, Hubsi Kramar, entgegen seiner Absicht und doch so gesellschaftsabzeichnend der "Wiederbetätigung" bezichtigt wurde. - Ein Schwank, den man per Videoeinspielung im Aktualitätsrückblick noch einmal zu Gesicht bekommt, wenn Herr "Zilk" Herrn "Hitler" auf ein Neues interviewt. Da wird der mitleidende Besucher mit rührend-weinendem Auge fühlen können, wie der gerade noch erhobenen Hauptes in die Oper einschreitende, ikonografisch-liebe NS-Schnauzbart-Träger mit seinem Spleen der so süß abgehackt-betonten Lebensantriebsrasse, "DIE JODEN" (Juden mit o ausgesprochen), von und zwischen (echten!) Polizistenkörpern von der Oper weggetrieben wird ...

Die tiefere Wahrheit hinter dem Vegetarier Hitler ...

Hier, im Rabenhof, treibt ihn aber niemand weg, höchstens er sich selbst in Richtung Toilette, da ihn sein legendärer Harndrang drückt. Es könnte aber auch sein, dass der gute Eierspeisnockerl-Vegetarier in heimlicher Wahrheit ein verfressener Pommes- und Bier-Verdrücker war, und er deshalb andauernd aufs Klo zu rennen hat. - Das ist eine der zugrundeliegenden Erkenntnisse persönlicher Natur, die Herr Zilk, Peter Paul Skrepek, in seinem Tiefeninterview während einer rhythmisch gesteigerten, wie im Zeitraffer beschleunigten Essensszene an Herrn Hitler aufzudecken vermag. Allerdings, ohne es direkt zu wollen - denn Helmut Zilk ist ja kein Intrigant, sondern ein wahrhaft Herzensguter. Seine rührseligen Gesichtszüge allein sorgen schon für Sympathiestürme, bevor seine Stimme, sein Tonfall und sein Buchstaben-verschluckendes Gesäusel so nach Zilk klingen, dass es regelr-echt erschreckend ist. Dass hinter dem naiven Tödel tatsächlich eine Intelligenzbestie namens Skrepek wütet, die sich nicht nur mit der Geschichte der Juden, sondern auch der Nazis sowie der "Restösterreicher" bis ins heutige Detail ernsthaft auseinander gesetzt hat, merkt, wer genauer hinhört. Das muss man auch, womit das Ganze nicht nur zum berieselnden Spaziergang wird, auch wenn es das angenehmerweise auch ist. Nein, hauptsächlich wird man im Buch des sichtlich wahrheitsinteressierten Skrepek auf subtile - das heißt abstrakt-schnelle - Weise, voll von wortspielerischen und vieldeutigen Gedanken-, Bilder- und thematischen Beziehungssprüngen, mit neuen historischen Interpretationen konfrontiert: So liegt es auf der Hand, dass der auswägende Zilk im objektiven öffentlich-rechtlichen Fernsehen, trotz seiner Tendenz, die Dinge nicht so genau zu nehmen - denn Irren ist ja bekanntlich so menschlich -, nach dem "Bürgermeister von "Israel", Teddy Kolik (statt Kollek), den Kuli, als den angenehmen, da nicht viel redenden Joachim Kulenkampff in seine Sendung einlädt; und von da ist es nicht weit zu Mein Kampf und damit zum "lieben Herrn Hitler". - Zu Zilks Assoziationsketten meint Hitler zunächst ganz verhalten: "Sie sind leicht zu durchschauen, Sie sind wie eine Buttersemmel", während er von sich selbst behauptet: "Ich bin inzwischen sehr spirituell geworden."

... von Zilks Redefluß provoziert

Dem Redefluß des Zilk ist alsdann zu entnehmen: Nachdem die deutschen Landen zu Zeiten von Hitlers Mutter "Hölzel" (Klara Pölzl) auf dem besten Weg waren, England und Frankreich als Vielvölkerstaat (Hitlers Bierschimpf: "Völkerbräu!") abzulösen, mußte Hitler bekanntlich der Perle Wien zu ihrer Fassung verhelfen, wobei Zilk als Ex-Bürgermeister aber auch nichts anderes getan hätte, indem er Bildhauer Muhr etliche Brunnen in Wien bauen ließ (mit Videoeinspielung des Floridsdorf-Brunnens). Das sollte bei all den Arbeitslosen nicht nur das große Elend der Stadt in Sachen Essens- und Trinknot minimieren, sondern auch die weibliche Bevölkerung erfreuen, die sich nach Ansicht des Bürgermeisters am besten in Ganzkörperschleier nach Kosovo-Vorbild mit neuer Hauptstadt Burkasdorf kleiden sollte. Über die Mythologie des jüdischen Ziegenbocks spannt Zilk danach, da er weiß, wie kunstaffin Adolf Hitler ist, den Bogen zum Maler Fuchs, der ja auch sein Handmörder war, um über das Ziegen-Wort Zebedäus bei seinem eigentlichen Steckenpferd zu landen, bei "Zappa", dem "Musiker aus dem Waldviertel", mit erstaunlich verwandtschafticher Ähnlichkeit zu Josef Cap.

Die tiefe Musikliebe in Skrepek und Hitler

Damit sind wir bei der Musik, der wohl wahren Liebe Hitlers, was daran zu erkennen ist, wie glaubwürdig ihm (Kramar) die Tränen kommen, während der noch viel wahnsinnig musikalischere Zilk (der hauptberuflich E-Gitarre spielende Skrepek) zu "Otto" (Richard) Wagners Rienzi - dem (wie Hitler latein-altdeutsch) Letzten der Tribunen - im Takt quasselt. Das wird zur schönen und damit besten Passage bis zur Pause. Denn sie ist als bewegungsablaufendes Duett richtig virtuos. Die Qualität der Musik - insbesondere in Österreich, aber auch im persönlichen Lebensalltag - ist Hitler, Zilk und Skrepek so wichtig (Skrepek-Zilk wehmütig: "Rienzi hört man heute nicht mehr auf Ö3!"), dass sie den Gesang der Dagmar Koller mit Auswirkung auf Zilks kürzliche Genesung aus dem Tod erörtern, was per Tonband auch fürs Publikum nachvollziebar wird, wenn "Dagi" (Ina Siber) mit ihrem umwerfenden Englisch den wohl lebensmüdesten Muffel aus dem Bett jagen würde. Ansonsten wird man erfahren, dass nicht nur Helmut Zilk eine Platte machte, sondern auch Hitler, nachdem er nach dem Redeverbot 1928 gerade extra die "Braune Platte" herausbrachte. In Wahrheit, so wird später aufgedeckt, war er aber - ironischerweise als Schicksalsparallele zu Österreichs Musikern heute - (aus Existenzgründen?) auch nichts anderes als nur ein Werbesprecher, was ein eingespielter, von Hitler besungener Reifen-Werbejingle belegt. Immerhin konnte er das für sich aber mit dem revolutionären Brown-Sugar-(Rolling-Stones)-Song kompensieren (der sich anhört wie der Anarcho-Gesang des jungen Franz Morak).

Der aktionistische Ausbruch für die Anti-Opfer-These

Wie immer bei Zilk, spielt auch das Publikum aufgeforderter Weise mit - die Leute, die es am wenigsten erahnen. Da wird der Passivste aktiv: dessen einen roter Pulli wird programmpassend braun; Barbara wird gezwungen, Hitler zu vertrauen; der Zuspätkommende muss schauen, ob noch ein Besucher vor dem Theater steht. Da kennt der Zilk kein Pardon. Aber als er dann zum großen Volkstribunal ausholt, denn hier will man ja endlich die ganze Wahrheit über Hitler-und-das-österreichische-Volk-das-Opfer-bis-heute erfahren, platzt dem Hitler der Kragen. Weil Zilk mehrmals betont, dass über Hitler ja alles im Altdeutschen Tagblatt gestanden sei, wonach er als Kunststudent und Arbeitsloser von der Stumpergasse zum Schriftsteller geworden wäre - und letzteres ja auch auf Gusenbauer zutreffe -, dass er eine Blondine zur deutschen Schäferhündin gehabt hätte - ähnlich dem Hund von Stalin und dem grünen Van der Bellen -, und dass er die Wahlen 1933 mit 44% der Stimmen, und Erwin Pröll jene zuletzt in Niederösterreich mit 54% gewonnen hätten, sodass man sich "noch auf etwas gefaßt machen müsse", brüllt Hitler in aktionistisch salatspuckender Manier ins Publikum: "Verblödetes Schafsvolk, Sie! Sie geistig vergaste Wesen. Schüssel, Gusenbauer. Zilk, Sie Rattengesicht! Sie Filzläuse Ihrer selbst, Sie saugen sich selbst aus. Egal, ob Schwarz-Rot, Blau-Rot, das ist alles Braun!" Bei dieser Eindeutigkeit wird sich wohl keiner mehr als unwissendes Opfer heraus reden können, bis auf Hitler vielleicht selbst, der ja immer nur Künstler sein wollte. Eines scheint auf alle Fälle aber klar: Von der NS- bis zur heutigen Politik hat sich nichts geändert. Zur Aussicht stehen Gaskrieg oder Diktatur mit Migrationskrieg oder auch "die Monarchie als beste Staatsform, wenn es sie gäbe", da ja die EWG (= EU) ohnehin schon eine Erfindung von Hitler gewesen sei, und die Nazis auch schon von den Rothschilds finanziert worden wären. Und wem das noch nicht reicht, dem sei auch gesagt, dass selbst Palästina und Südamerika von Zionisten und Nazis gemeinsam aufgebaut worden sind...

Auf das hin, fehlen dem Zilk die Worte, er holt mit letzter Kraft aus zum versöhnlichen Ende. Und so endet der geistige Redens-Erguß des ersten Teils im an-sich-aufgeheizten Theater im zweiten Teil in erhitzten Gemütern voller Emotionen. Das ist zwar heftig, aber doch eine tolle Steigerung, sodass der gesamte Abend über ein belangloses Unterhaltungskabarett hinaus, bei insgesamt 140 Minuten, zu einem richtig ereignisreichen Theaterstück geworden ist. Das atmet, das lebt und gibt zu denken. Seit langem etwas Angreifbares, das unter die Haut fährt. a.c./e.o.


DAS URTEIL WER UNBERECHENBARES ERLEBEN WILL, DAS IHN TANGIERT, DER SCHAUT SICH DIESES GEISTREICH-KRITISCHE SATIRESTÜCK AN. SKREPEK UND KRAMAR - ZWEI ECHTE KAPAZUNDER-RARITÄTEN IM DOCH SO GROSSEN MEER DER VERHARMLOSTEN BELANGLOSIGKEITEN.
- Übrigens: Jeder Abend ist anders - je nach Aktualitätslage und Stimmung der Künstler!!!


Ab 19.4.2017 für 20. und 21.4.2017, Freikarten zu gewinnen:
Frage: Wer hat den Faymann ohne Wahl, und wer hat den Fischer nach zwei Wahlen ersetzt?
Antwort bitte an:
intimacy-art@gmx.at
 


SATIRE-KABARETT ÜBERLEBENSKÜNSTLER – DR. HELMUT ZILK IM GESPRÄCH MIT ADOLF HITLER, neu adaptierter Evergreen der Politsatire: Wenn der Faymann ohne Wahl durch den Kern ersetzt wird, und der Fischer nach zweifacher Wahl durch Van der Bellen, dann müssen die zwei Urheber der österreichischen Geschichte einfach wieder auf die Bühne * Besonders anläßlich des Führers Geburtstags *  Ort: Rabenhof Theater * Zeit: Donnerstag, 20.4. und Freitag 21.4.2017: 20h * Gewinnspiel – Freikarten für Spontane und Kurzentschlossene ab 19.4., (solange der Vorrat reicht) über intimacy-art@gmx.at

SATIRE-KABARETT ÜBERLEBENSKÜNSTLER - DAS 20. JAHRHUNDERT * NACH ZWEI JAHREN WIEDERAUFNAHME anläßlich des Führers Geburtstags *  Ort: Rabenhof Theater * Zeit: 20.4.. 21.4.2017: 20h * Tickets und Programm info über Link

SATIRE-KABARETT ÜBERLEBENSKÜNSTLER - DAS 20. JAHRHUNDERT * NACH MEHRMALIGEM AUSVERKAUF schon wieder aktualisierte Version von und mit Peter Paul Skrepek, Hubsi Kramar und Thomas Gratzer [Ober Johann] - und maschek?! * Drei Tage nach der österreichischen Nationalratswahl heißt es: Widerstand ist zwecklos – auch nach der Wahl! Unser Altbürgermeister hat aus Anlaß der National-Ratswahl mit dem Führereinen ausgewiesenen Demokratieexperten zu Gast. Neben Gröfaz Adolf Hitler wird auch Dr. Alfred Puppenkanzler ("maschek!") die Leistungen der österreichischen Teams analysieren. Im Anschluß bereut Landeshauptstadt Dr. Zilk nochmals das 20.Jahrhundert: »Wenn es um die Wahrheit geht, breche ich mein Schweigen!* Ort: Rabenhof Theater * Zeit: 1.10., So., 5.10., So., 2.11.2008: 20h
Überlebenskünstler 4 ­ Das 20. Jahrhundert - Dr. Helmut Zilk im Gespräch mit Adolf Hitler * Von und mit: Peter Paul Skrepek, Hubsi Kramar * Ort: Cinema Paradiso, St. Pölten * Zeit: 6.11.2008: 20h
* Ort: Anton Bruckner Centrum, Ansfelden * Zeit: 8.11.2008: 20h
Zu aktuellen maschek-zilk-Bildern click zu intimacy: art - market: art



SATIRE-KABARETT ÜBERLEBENSKÜNSTLER II - DAS 20. JAHRHUNDERT II * Dr. Helmut Zilk im Gespräch mit Jesus Christus - Wird es dem jüdischen Wanderprediger gelingen, zu Wort zu kommen, um uns zu erlösen? * Von und mit: Peter Paul Skrepek (Zilk), Hubsi Kramar (Jesus) * Mit: Raphael Skrepek (Ober Johann) * Ort: Wald4tler Hoftheater, 3944 Pürbach bei Schrems, Pürbach 14 * Zeit: 31.05.2008: 20h15
(AUSVERKAUFT!!!) , Link: http://www.w4hoftheater.co.at

Abwandlungsversion
KABARETT-SATIRE NDK Folge 17 ­ Nach der Kritik@Peer Gynt * Altbürgermeister der Landeshauptstadt Dr. Zilk spricht mit ehemaligem Burgtheaterdirektor: "Claus Peymann verkauft seine Hose und geht mit meiner Frau essen ­ zum Bauer Gustl" * Von und mit: Peter Paul Skrepek, Christoph Krutzler und einem sehr guten und bekannten Schauspielstar * Ort: Rote Bar im Volkstheater, Wien * Zeit: 26.11.2008: 22h30

Querverwandtes Thema
FILM Weltrevolution - Dokumentaion über Stefan Weber - Drahdiwaberl * Regie: Klaus Hundsbichler * Mit: Stefan Weber, Drahdiwaberl, Hubsi Kramar, Peter Paul Skrepek, Reinhard Nowak u.v.m. * AT 2007, 91 Minuten * Ab 9.5.2008 in den Österreichischen Kinos * Vertrieb: Filmladen * Link: http://www.weltrevolution-derfilm.at/

Saturday, November 24, 2007

THEATER: MICHAEL SCHOTTENBERGS BRAUNES "EINEN JUX WILL ER SICH MACHEN"

Trotz Beförderung schließt Weinberl (Andreas Vitásek) den ihm anvertrauten Laden zu, und macht er sich heimlich mit dem Lehrbub Christoph (Katharina Straßer) auf, um in der Stadt etwas zu erleben...

... er erlebt dabei einen teuer-erkauften Jux, wie eine dicke Frau; und das Publikum erlebt Vitáseks stimmig-bewegten Couplets á la Vaudeville-Herr-Karl.

Im braunen, immerhin rhythmischen Klischeewitz sind Vitásek, Straßer und Erwin Ebenbauer als Melchior echt führende Originale, sodass ein Hitler eigentlich überflüssig wäre ... (Fotos © Lalo Jodlbauer)


VOLKSTHEATER MICHAEL SCHOTTENBERG BETTET NESTROYS EINEN JUX WILL ER SICH MACHEN ZWISCHEN HERRN-KARL-VAUDEVILLE UND BRAUNER BRETTERGESELLSCHAFT

Weiss man, dass Johann Nepomuk Nestroy zu seiner Zeit (1801-1862) der politisch-gesellschaftliche Satiriker schlechthin war, der mit desillusionierend-aggressiver Lokalposse die biedermeierliche Idylle und den Metternichschen Zensurstaat veräppelte, so weiss man auch, dass das in die heutige Zeit nicht leicht zu übertragen ist. Selbst wenn die Wiener (Österreicher?) an-sich noch immer ein altertümliches Völkchen sind, das sich gerne an Traditionen erinnert und in der Breite auch danach lebt. Was allerdings völlig veraltet ist, sind amouröse Heimlichkeiten und heimliches Schwänzen in der Arbeit. - Denn das wird heute ja seit dem enttabuisierten Seitensprung durch die Presse und des - dank Gewerkschaft - ritualisierten Krankenstands gelebt. Somit wäre wohl Nestroys Stück Einen Jux will er sich machen hinfällig, das sich nur um diese beiden Kernthemen dreht. Regisseur Michael Schottenberg hat sich im Volkstheater dennoch des Juxes mit eigener Textfassung angenommen, allerdings weniger mit Jux als mit dem Trumpf dreier toller Schauspieler in ansonsten mäßig spaßigem Umfeld.

Hitler in spaßigem Mittelmaß

Das Mäßige fängt schon mit einem banalen Klischee an, nämlich die Zeitkritik von heute - richtig erraten, denn das ist ja Schottenbergs Steckenpferd - in die Naziwelt zu betten. Der Querverweis wäre an sich nicht so schlimm, ein bißchen arg ist aber, "wie das geschieht". Da wäre einmal die durchgehende Farbe "Braun", vom Bühnenbild bis zum kleinsten Kostüm von Erika Navas - was kann denn diese arme Farbe für diese Ideologie? Da wäre als Nächstes die von Hans Kudlich gezimmerte Bretterwelt, die hinter und unter sich weitere Bretter hütet - was kann denn das gute alte Holz für all die Sitten-Verbarrikadierungen? Da wären alsdann Sprechblasen wie "als Touristen sind Ausländer willkommen, aber sonst gibt´s Schubhaft", und Geliebte, die sich in muslimische Schleier hüllen, um einerseits dem Stil der Verwechslungskomödie zu entsprechen, andererseits als "so eine junge Araberin oder was das war" schikaniert zu werden - das ist noch einigermaßen originell. Am schlimmsten aber ist die mit Hitlerbärtchen in Jägertracht und ausgestopftem Bauch verkleidete Figur des Kaufmanns Zangler, übertrieben und damit dilettantisch gespielt von Thomas Kamper, dessen Hitlerkonnotation erst gecheckt wird, als ihn der nachäffende Andreas Vitásek mit einer beiläufigen, aber treffenden Geste kopiert.

Die drei echten Führer

Mit Vitásek wären wir auch bei der Hauptattraktion der Inszenierung angelangt, der als Verkäufer Weinberl Charisma und das Publikum im Griff hat. Trotz Beförderung zum Associé des Kaufmanns will er einmal noch das "Verfluchtekerlbewußtsein" erleben; er sperrt den ihm anvertrauten Laden hinterm Rücken des Chefs zu und nimmt den pfiffigen Lehrbub Christoph mit - worin Katharina Straßer ihre bisher stärkste Rolle spielt (abgesehen davon, dass es eine geniale Idee der Regie ist, den Bub mit einem Mädchen zu besetzen): Wie schlagfertig sie reagiert, wie burschikos sie sich bewegt, wie einfühlsam sie sich an Vitasek anpasst - das alles ist so sehr "Nestroy" wie heutig echt, und doch noch verfremdet genug, um Kunst zu sein. Die Straßer ist insofern bester Wiener Bub, wie Wiener Maderl - und vielleicht entspricht das wiederum einem zeitkritischen "Lob" (?!), wie es ein Nestroy schriebe, würde er heute leben... Der dritte glaubwürdige Lachgarant steckt schließlich in Erwin Ebenbauer als Zangler-Bedientem Melchior, der mit seinem Running-Gag, "das ist klassisch!" für klasisch doppelbödige Schein-Sein-Moral zwischen gebietender und dienender Klasse sorgt. Mit seiner ängstlich-fahrigen Art (Zitat: "Die san auf´s Geld aus - das sind Menschen!") stimmt er somit auch als Charakter.

Echter Rhythmus in echten Vitásek-Couplets

Dem Schottenberg an Können anzuerkennen, ist neben situationskomischer Tricks wie der spanischen Wand der Rhythmus im Stückverlauf. Er schwindelt selbst über all die erwähnten Peinlichkeiten gekonnt hinweg. Der Rhythmus harmoniert auch bestens mit den Gesangseinlagen des Sing- und weiblich-leicht-anmutenden Bewegungskünstlers Vitasek, der seine Couplets selbst geschrieben hat. Gesangssprachlich erinnert er dabei wiederum an Helmut Qualtingers Herrn Karl. Da paßt denn auch der neuartig-eigene Sprachwitz, etwa zum Thema "Liebe zu Zwein", "nur der Regenwurm tut sich selber vergnügen", oder der Satz, "nur die toten Künstler werden kultisch verehrt, die Lebenden sind nix wert", während "der Andi" bei Benefizkonzerten und Rote Nasen auftreten müsse, die eigene Familie aber nicht mehr zu Gesicht bekomme. Und wirken dagegen so viele Sager von Nestroy heute schon naiv und überholt, so stimmt mancher denn doch, wie: "Das Ziel vor Augen scheitert der Mann an der Kleinheit seiner Mitte." e.o.


DAS URTEIL DREI FÜHRENDE SCHAUSPIELER IN UNGLAUBWÜRDIG-ÜBERTRIEBENEM KAMERADENSCHWANK. DREI WIEN-URBANE CHARISMATIKER IM LÖWINGERBÜHNEN-VERSCHNITT AUS´M JAHRE PROVINZ.

THEATER Einen Jux will er sich machen * Von: Johannes Nestroy, Fassung von Michael Schottenberg * Regie: Michael Schottenberg * Mit: Andreas Vitásek, Katharina Straßer, Erwin Ebenbauer, u.a. * Musik: Gerald Preinfalk / Romed Hopfgartner, Marko Zivadinovic/ Milos Todorovski * Bühne: Hans Kudlich * Musikalische Einrichtung, Komposition: Mischa Krausz * Ort: Volkstheater, Wien * Zeit: 25., 26., 27.1., 30.1., 2., 3., 5., 6., 7., 18., 24., 25., 27., 28., 29.2.2008: 19h30

Tuesday, September 11, 2007

TANZTHEATER: DIE PANTOMIME LEBT BEI GIL MEHMERT IN "DAS BALLHAUS"

In den 1930ern tummeln sich unter den Tanzgästen "Geschäftsmänner" wie Rainer Frieb (mit Monokel) neben "Diven" wie Beatrice Frey, ewigen "Nein-Sagern" wie Raphael von Bargen, "Mauerblümchen" wie Annette Isabella Holzmann (das in den 80ern zur Punkerin wird) und "Mitläufern" wie Christoph F. Krutzler (der vom Nazi zum Geschäftsmann 2000 wandelt) ...

... neben "Mode-Opfern" wie Susa Meyer, "Falschspielern" wie Marcello de Nardo und dem einzig konstanten No-Person-Mensch, Kellner Thomas Bauer.

Wobei ausgerechnet der Falschspieler (De Nardo mit Heike Kretschmer) ab den 60ern ein so ausgezeichneter Tänzer ist ...














... und er außerdem in den 90ern zu Falcos Kokain-Song "Ganz Wien" unter Dealern und Geschäftsleuten kokst. (Fotos © Lalo Jodlbauer)



VOLKSTHEATER WIEN GIL MEHMERT FÜHRT IN DAS BALLHAUS DIE MENSCHEN IN IHREN GLEICHBLEIBENDEN MUTATIONEN ÜBER DIE JAHRZEHNTE BIS HEUTE VOR: SEHR UNTERHALTSAM UND INNERHALB DER THEATERLANDSCHAFT: FRECH!

Den Unkenrufen auf die saisonale Eröffnungspremiere zum Trotz, wonach das Stück ohne Worte, Das Ballhaus - Tanz durch ein Jahrhundert, nun wirklich nichts am Volkstheater zu suchen habe, folgt hier die Behauptung: "Und ob!" - Denn was zeichnet überhaupt die Schauspielerei aus? - Etwas, das heute schon fast vergessen ist: Die Pantomime. - Nun, die Schauspieler mimen hier nicht nur, sie tanzen auch. Aber auch das gehörte einst zur ganz großen Pflicht legendärer Schauspielikonen, zumindest bis in die vierziger Jahre hinein. Das alles war schon vergessen, sodass man in der Oper nur noch sang, im Theater nur noch sprach und auf der Bewegungsbühne nur noch tanzte. Nur das Musical sollte jener Bereich sein, wo sich alles vereinen kann. Doch ehrlich: Wird darin in der Regel - ganz besonders in Europa - nicht jeder Bereich so kommerzialisiert verwässert, dass kaum noch einer künstlerisch (gekonnt) ist?

Mischformen mit purem Können

In jüngster Zeit schälen sich die einzelnen Bereiche daher in puren, hochwertigeren Neu-Konstellationen heraus: In der Volksoper wird auch schaugespielt (siehe letzte Kritik auf intimacy: art), im Tanzquartier wütet das Kabarett, in Lesungen wird chansonniert, im Theater an der Wien gelesen und musiziert, im Kasino am Schwarzenbergplatz von Schauspielern gesungen. Und mit der französischen Vorlage Le Bal über eine Zeitreise durch Tänze, Moden und politische Umbrüche von den 1920-er Jahren bis heute, wurde nun die "Idee des Gesellschaftstanzes" von Jean-Claude Penchenat am Volkstheater auf Österreich umgemünzt; sodass man in der Neufassung von Volker Schmidt unter der Regie von Gil Mehmert ein Können entdeckt, das in dieser Professionalität eigentlich nur mit Charlie-Chaplin-Stummfilmen assoziiert werden kann. Wohl zeigten auch die Wiener Festwochen in den letzten Jahren immer wieder Performance-Theater, doch arbeiteten jene eher mit Körper-Arrangements im Raum, was in der Regel die Tänzer bei ImPulsTanz besser umsetzten. Am Volkstheater agieren nun wirklich Mimen mit ihren Gesichtern und Körpern, sodass sie in ihren Zwischentönen viel deutlicher sind, als (sprechende) Schauspieler in körper-grafischen Bildern.

Die subtilen Zwischentöne eines großartigen Ensembles

Das inhaltlich Schöne an dem Stück ist, dass es, ohne Worte, gezwungenermaßen mit Impressionen aus dem kollektiven Gedächtnis arbeitet, tanzschritt-modisch von Charleston über Twist und Hulla-Hop bis Flower Power und Punk, politisch von 20-er Offenheit über Nazi-Prüderie und -Widerstand bis zu Kokain-Intellektualismus und kommerziellem Yuppie-Heute mit Terrorismus-Beiwerk. Gleichzeitig macht es die Ausgrenzungen und kleinen Ausschrittversuche in all diesen Strömungen transparent. Und über allem thront die Aussage vom Menschen, der als "Typ" immer gleich bleibt, er sich nur in anderen Verkleidungen zeigt, wobei der äußerliche Gegensatz nach der Nazizeit aber auch in die Irre führen kann. - Das ist überhaupt die feine Subtilität an der Regie und am Buch der Inszenierung.

Am stärksten verkörpert sie das Tanz- und Bewegungsgenie des Ensembles, Marcello de Nardo als "Der Mann, dem man nicht trauen sollte": Gebuckelt schwindelt er sich in den 20ern, sich an der Zigarette festhaltend, durch die Tanzgäste in ihren typisch-schmalen Kostümkleidern, und findet er Geld, steckt er es verstohlen ein. In der Nazikriegszeit taucht er als einziger Mann bei den munitionsgürtelbastelnden Frauen auf und versucht sie durch Spielertricks ihrer letzten Habe zu berauben. Und in den 80-ern ist er kontrastartig ein brillanter Jazz-Dancer und -Choreograf, in den 90-ern ein Kokain-Dealer in der Disco. Auch Rainer Frieb ist ein berückender Körper- und Gesichtsmime, indem er als "Geschäftsmann" durch die frühen Jahre hämisch grinsend, kalt und beinhart, in den 70ern plötzlich zum Intellektuellen der Jazzszene und dann zum Aussteiger in Sandlermontur mutiert. Bei den Frauen ist Susa Meyer als "die Frau, die nach der neuesten Mode gekleidet ist" vor allem in der Körperhaltung, Bewegung und Ausstrahlung immer wieder ein Augenschmaus, wobei sie von der linken Widerständlerin in den 30ern zu den Kriegsgewinnerinnen und dann zur Powerfrau der 90er wird. In Summe ist jedoch das ganze Ensemble unverschämt gut, immer wieder findet man eine Wandlung, die einen zum Lachen animiert oder schlichtweg erinnert, sodass es sogar schmerzt.

Und doch zu altmodischer Erzählrhythmus

In den 2 Stunden und 45 Minuten geschieht bei guter Live-Musik von Patrick Lammer und Band so viel, dass keine Langeweile aufkommt. - Wie so oft in ebenso langen Sprechstücken. Und doch hätte der Erzählrhythmus weniger analog und hausbacken sein können, um das Stück insgesamt wirklich modern wirken zu lassen. Inhaltlich ist die Nazizeit - wie immer am Volkstheater - zu lang gestreckt, während die Zeit danach, die auch die Jugend interessieren würde, nur oberflächlich und kurz gestreift wird.

- Ein wenig erscheint dem Volkstheater-Kenner dieses Dramenmuster unter Michael Schottenbergs Intendanz auch wie eine ironisch-trotzige Geste seitens Direktors: denn Schottenberg kämpfte im ersten Jahr mit linken Aufklärungs-Sprechstücken um Zuschauer, im zweiten hatte er den großen Erfolg mit dem gesungenen und getanzten Cabaret, und das ist nun noch einmal eine Steigerung in die absolute Sprachlosigkeit. Sie trifft ironischerweise aber doch genau den Ton unserer Zeit - man denke nur an Dancing-Stars. Nur ist das am Volkstheater aber natürlich viel mehr wert! e.o. (36 Jahre) / n.w. (80 Jahre)


DAS URTEIL EIN PANTOMIMISCH BRILLANTES KALEIDOSKOP DURCH DIE TÄNZE UND POLITISCHEN UMBRÜCHE DES LETZTEN JAHRHUNDERTS. - NUR LEIDER IN HAUSBACKENEM ERZÄHLRHYTHMUS.

Tanztheater Das Ballhaus - Tanz durch ein Jahrhundert * Von: Volker Schmidt nach Jean-Claude Penchenat * Regie: Gil Mehmert * Choreographie: Kurt Schrepfer * Musik: Patrick Lammer mit Band * Mit: Marcello De Nardo, Rainer Frieb, Susa Meyer, Christoph F. Krutzler, u.a. * Ort: Volkstheater Wien * Zeit: 15., 23., 29.11.2007: 19h30

Sunday, July 15, 2007

OPER: JOHANNES ERATH FÜR EXZESSIVES WAHNSINNS-"TRIPTYCHON" SCHEDLS

Der Tod lauert im 1. Weltkrieg von außen auf dem Liebespaar Pierre (Alexander Kaimbacher) et Luce (Isabel Marxgut), die zur Schlachtbank kommen wie "Osterlämmer".

Der 2. Weltkrieg hat dem Kontrabass-isten (Gerhard Karzel) seine Frau genommen, sodass er wegen dieser "unheilbaren Wunde" wahnsinnig wird.

Aber auch ohne Kriege werden die Leute aus perverser Lust (an Hitler) wahnsinnig - wie in S.C.H.A.S.. Oder depressiv, wie Komponist Gerhard Schedl. (Fotos © Armin Bardel)


MUSEUMSQUARTIER - NEUE OPER WIEN HABEN DEPRESSION UND SINN FÜR WAHNSINN ETWAS MITEINANDER ZU TUN? - DAS LÄSST DIE BIOGRAFIE DES KOMPONISTEN GERHARD SCHEDL OFFEN, DESSEN TRIPTYCHON JOHANNES ERATH GROTESK INSZENIERT

Es ist interessant, dass Komponist Gerhard Schedl die hoffnungsvollste und dabei aber heimtückischste Oper seines Triptychons, Teil 1 Pierre et Luce, als letztes komponierte: nämlich 1990, während er Teil 3 S.C.H.A.S. 1989, und Teil 2 Kontrabaß schon 1982 geschaffen hat. Und das alles aber zehn Jahre, bevor er sich 2000 nach immer stärker werdender Depression das Leben nahm. Das zeigt doch, dass es in einem zur Melancholie geneigten Leben, immer wieder selbstmotivierte Hau-Rucks zum romantischen Lebenswillen gibt. Und das sollten sich ähnlich Veranlagte ganz groß vor Augen halten: nämlich dass es immer wieder aufwärts gehen kann.

Dass wir das überhaupt erwähnen, soll Künstlern, die sich im irrealen Zustand der Schaffensphase im Detail verlieren - und die damit auch den realistischen Halt, die Sicherheit verlieren -, das Gefühl geben, dass sie für ihren durchlaufenen Psycho-Trip geliebt werden; und was für sie noch viel wichtiger sein wird: dass sie darin auch verstanden werden. Nicht von allen Menschen - denn Leute, die "Ja" sagen, obwohl sie nichts verstehen oder empfinden, sind meist in der Überzahl. Diese Tatsache der realen Anerkennung als Wert, müßte dann auch der Anker sein, an dem sich der Künstler als sinnvolle Existenz innerhalb der Menschheit festmachen kann. Der Trip hat seinen Sinn, doch muß man daraus auch wieder erwachen können.

Kunst und Musik als Hoffnung und Kraftakt im Leben Gerhard Schedls

Die Schaffensreise und der hohe Anspruch an sich selbst sind bei einem Fantasie-Menschen wie Gerhard Schedl (geb: 05.08.1957 - Sternbild Löwe, gest. 30.11.2000) während der Komposition, nachvollziehbar komplex. Denn beides ist an seiner detailreichen, je nach Thema gezielt theatralen Musik zu hören. Wobei Schedl lange visionär zuversichtlich und bestimmt meint: "Dass das Experiment von Anfang an nicht meine Sache war, gebe ich zu, dass dagegen Kunst als utopisches Potential menschlicher Träume und Hoffnungen formuliert wird, dazu stehe ich." Die vorkommenden Gefühle in Triptychon, das als bitterböse Farce endet und als zartes Liebstraumspiel beginnt, erlebt Schedl in sich - wie gesagt - während des Komponierens umgekehrt.

Zugunsten des theatralen Themas pflegte Schedl musikalische Traditionen und brach sie wieder: mit "Lust am expressiven Klang, gesteigerter Dramatik, durchdachter Konstruktion, dem bewußten Experiment mit Zahlen, Intervallen, Symbolen, Techniken und dem plakativen Reiz emotionaler Darstellungsformen". Das zarte Lauschen in der Stille, das ungebändigte Aufschreien, der resignative Abgesang, die großen wilden pathetischen Gesten, die Schönheit des durchdachten Details . . . all das gibt es bei Schedl: "Es treibt mich an und zwingt mich, am weiten Material zeitgenössischer Ausdrucksmittel mich immer wieder neu zu versuchen", sagt er. - Musik, Kunst als Sucht und selbsthinterfragende Qual zugleich: um immer neue Geheimnisse darin zu entdecken, gibt sich dem der Künstler hin und wird sich dennoch immer nur auf eine Entscheidung beschränken können. Darauf, was er für sein aktuelles Werk verwenden kann. Mit der Entscheidung, fällt aber auch das Gefühl für das Große, die Energie auf einen Schlag in sich zusammen. Die Suche scheint viel wichtiger als das Ziel. - Diese Erkenntnis kann zu jener Depression führen, vor der sich alle Künstler fürchten.

Doch je intensiver der Betrachter und Hörer im Werk letztendlich noch die Energie des Antriebs ausmachen kann, desto größer ist wohl die Leistung des Künstlers, und war auch sein Kraftakt im Schaffungsprozeß, zu messen am persönlichen Einsatz, bei all den bewußt wahrgenommenen Möglichkeiten, "präzise" zu sein. - Diese Anstrengung, die bestimmt auch Gehirn und Seele des Menschen strapaziert, ist in Schedls Musik definitiv zu hören und zu spüren.

Triptychon - vom Romantikwillen zur Ohnmacht

Der erst 31-jährige deutsche Regisseur Johannes Erath hat die Trilogie für die Neue Oper Wien als Steigerung in die Ohnmacht angelegt, und das Publikum ist als passiv-sitzender Statist auf der Bühne live dabei. Es ist quasi Besucher eines Cafés an Tischen, wo es sogar Getränke serviert bekommt. Da, wo normalerweise im Museumsquartier, Halle G, die Zuschauerreihen sind, befindet sich die Zweitbühne, sodass der Zuschauer ab und zu auch wieder "Zuschauer" ist, wenn die Darsteller rüberwechseln. Zuerst, im romantischsten Stück Pierre et Luce: Die Osterlämmer, das in einer Art weißer Wolkenlandschaft spielt, mit weißen Kostümen und Tüchern, wo ein - mit verbundenen Augen - einander vertrauendes Liebespaar in Paris im ersten Weltkrieg zu Ostern in einer Kathedrale heiraten will. Nur dass der heranrückende Krieg seine Bombe platziert, womit das Glück von außen zerstört wird. Dementsprechend neigt die Musik zu romantisch-tonalem Klang intim-sphärischer Entrückung und wird darin ständig unterbrochen. So wie der Satz im Dialog des Paares suggeriert: "Vor der Auferstehung kommt das Sterben."

Der Untergang liegt also bereits im Glückszustand in der Luft, er ist nur, bis auf den Knall am Schluß, kaum zu erkennen, weil Isabel Marxgut und Alexander Kaimbacher, umgeben von weißen Vogelfedern, durchgehend hingegeben schwelgen. Das ist dramaturgisch und musikalisch - bei drei Streichern, Oboe, Klarinette, Horn(!) und Harfe(!) sogar ein wenig eintönig. So wie es puristisch-schön aufgemotzter Kitsch nun mal ist. Makabrer Weise.

Kontrabass mit übergroßer Wunde

Im Kontrabass kommt die Spannung in gesteigerter Abnormalität dagegen auf ihre Kosten. Das fängt damit an, dass Schedl typisch detailbesessen für seine jazzig-atonale Rhythmik eine völlig andere Instrumentation benutzt: 6 Vionloncelli, einen Kontrabass und Schlagwerk mit Pauken und Trommeln (Xylophon?). Begann das erste Stück in der Metro (unter den Zuschauern), so steht derselbe Ort nun für ein Bahnhofscafe - zu erkennen an Lautsprecher-Durchsagen -, wo sich das Pärchen Isabel Marxgut und Gernot Heinrich zum Frühstück trifft. Das ist nun schauspielerisch weniger lyrisch wie zuvor, als realistisch - und von beiden wirklich gut gespielt. Besonders Heinrich ist ein echter Sänger-"Schauspieler".

Getoppt wird sein Spiel nur vom diesbezüglich einschlägigen Profi Gerhard Karzel, der sich als Kontrabassist "Silbermann" in fein-säuberlichem Anzug zum jungen Paar setzt, und zwischen Irrsinn und Aufdringlichkeit unheimliche Atmosphäre verströmt. Er bestellt Kaffee für seine "Frau", die er während des zweiten Weltkriegs im Bombenhagel von Dresden verloren hat. Die Jungen halten ihn - bei gezogen-betrunkenen Tönen - für betrunken, begreifen in ihrer Naivität seine "Wunde" nicht, die aber so überdimensional im Raum steht, weil sich plötzlich vier weitere "Silbermanns" - alle mit anderem psychischen und körperlichen Leiden - zu den Zuschauern an die Tische setzen. Selbst die Kontrabassistin des amadeus-ensemble-wien, Caroline Menke, trägt das Kostüm Silbermanns. - Es herrscht in jedem beklommene Stimmung, sodass das Mädchen nur noch verstört weinen, der Junge vor Angst schreien muss.

S.C.H.A.S. als irrwitziges Mißtrauen auf die Menschheit

Im Stil des absurden Theater, wo Nonsense-Texte in rhythmischer Steigerung echte Gefühle ausdrücken, ist S.C.H.A.S. nach dem Gleichnis von H.C. Artmann Erlauben, Schas, sehr heiß bitte! angelegt. Und das ist nun so exzessiv schräg umgesetzt, und von Gernot Heinrich als Kellner so herausragend gelungen wahnsinnig gespielt, dass es schon wieder lustig ist. Selbst wenn anfangs Eugeniy Chevkenov als zigeunerisch-jüdischer Stehgeiger gleich klar macht, dass es hier auch um rassistische Degradierung geht. Wobei dieser Musiker vom Gast "Herr Lackl" (expressiv: Andreas Jankowitsch) im nun Wiener Lokal, als "jüdelach" wie ein Konsumobjekt, gleich dem Getränk "Schas mit Schlag", bestellt wird - Zitat: "Spiel, Jud, a Loch!"

Als nun noch ein Pärchen mit Namensmetaphern für Engel und Teufel herein kommt, eskaliert das Ganze, weil dem unwirschen Gast das Warten auf den Jud zu lang wird und er mit "Dolpherl", seinem Freund, droht, während daneben eine unwirsche Sexszene unter dem Pärchen, Gästen und vielen, wahnsinnigen Kellnern abrennt. - Kellner Josef treibt es etwa mit einer Kloschüssel. - Hitler steht als Ersatz für sexuelle Befriedigung und haltlosen Exzess - als Prinzip für die Schwäche des Menschen. Denn all diese triebgesteuerten Menschen beruhigen sich erst, als sie tatsächlich unisono im Hitlergruß dem Licht in einem Tunnel entgegen steuern: und da kommt dann der erlösende Hitler in Miniaturformat heraus getragen: als infantiles, lächelndes Kind.

Und das erschreckende Fazit nach alledem ist nun aber: je mißmutiger, pessimistischer und wahnsinniger die Musik und das Stück eines Gerhard Schedl wird, desto spannender und unterhaltsamer ist es für das Publikum. Wenn der Preis für diese Originalität aber echte Depression und Selbstmord bedeutet, kann es auch gerne anders laufen ... h.o./e.o


DAS URTEIL KOMPONIST SCHEDL AUF PSYCHOTRIP, ORIGINELL UND ERLEBNISREICH VON JOHANNES ERATH INSZENIERT UND VON STEFAN HEINRICHS AUSGESTATTET, STIMMIG VON WALTER KOBÉRA DIRIGIERT. - EIN UNTERHALTSAMER DEPRESSIONSEXZESS.