Wednesday, April 18, 2007

MODERNES BALLETT: HOFFNUNGSVOLLE ENTDECKUNGEN IM KONSERVATORIUM IN "ballett/modern/tanzt #2"

Die Basis eines jeden überzeugenden Modernen Balletts ist die Beherrschung der Klassik - auch da gibt es aber formschöne Uraufführungen mit raffinierten grafischen Bewegungen, nicht nur Klassik-Standards: leicht versetzt choreografiert etwa Leslie Hughes Zweimal Bach mit Virginia Eckleben und Julia Greibich

Das überzeugendste eigenchoreografierte Solo: sandsibility von Alexandra Mlineritsch

Choreograf Giorgio Madia zeigt im Quincy Jones -Jazz-Stück die Ballettschülerinnen als einerseits folgsam, schritt-schwierig tanzende, heitere Mädchen ...

... andererseits als freche Girls, die liebend gern - und dennoch unschuldig - in die (Erwachsenen-)Revue-Welt hineinschnuppern, wo die Haltung auch mal weniger steif sein kann - und dennoch Linie hat.

















Tanzt alles mit glaubwürdiger innerer Freude, die ansteckt: Victoria Nurek




THEATER AKZENT DIE BALLETTABTEILUNG DES KONSERVATORIUMS DER STADT WIEN ZEIGTE IN ballett/modern/tanzt #2, DASS WIEN DURCHAUS ZU MODERNEM BALLETT IN DER LAGE WÄRE. - DIE BASIS DAFÜR HEISST KLASSISCHES BALLETT. HIER EINIGE TALENTE UND TOLLE CHOREOGRAFIEN

Professionelle zeitgenössische bzw. moderne Ballettaufführungen sind in Wien (Österreich?) kaum zu sehen. Und wenn, dann nur so, dass man sie sich eigentlich lieber nicht angesehen hätte - Stichwort: Ballett der Wiener Staats- und Volksoper in der Volksoper! Das liegt weniger an den Tänzern - weil das Internationale sind - als an den Choreografen. Wie auch immer hier "welche" Leute dazu kommen, etwas inszenieren zu dürfen - es wird wohl wie bei fast allem in Österreich eher an Protektionen und Freundschafts-, wenn nicht sogar Politdiensten liegen als an künstlerischer Qualität. Und da man mit solchen Darbietungen nun mal keine geradlinig aufnehmende Jugend begeistern kann, tanzen folglich immer weniger junge Leute "freiwillig" Ballett. (Außer die Mutter schickt ihr Kind.)

Um dem entgegen zu wirken und zu überprüfen, ob im einen oder anderen Nachwuchs vielleicht doch eigene Motivation schlummern könnte, richten wir einen Blick auf die Jahresaufführung der Studierenden der Abteilung Ballett des Konservatoriums Wien. Auch um so jemand mediale Beachtung für seine Hingabe - seinen reinen Willen zur Kunst - zu schenken. - Und auch den Choreografen, die sich hier als Lehrer ihr täglich Brot verdienen, obwohl sich mancher von ihnen auf österreichischen Bühnen bestens machen würde. Kennt man deren künstlerischen Stil trotzdem von dort, ist darüberhinaus deren Selbstdefinition als Pädagoge interessant heraus zu finden: der Schüler Persönlichkeit herausfeilen, ihnen eine Technik oder einen Standard beibringen oder gar ein Kunstwerk mit ihnen erschaffen zu wollen. Am Ende der Ausbildung kommt es wohl auf alle drei Bereiche an. - Deswegen ist so ein Kunstereignis ein größeres Erlebnis als etwa ein Galaabend eines Wiener Staatsballetts.

Tanzfreude, die von innen kommt: Victoria Nurek

Das betrifft allerdings weniger die klassischen Soli, worin einzelne Schüler ihre technische Fertigkeit beweisen - trotz erkennbarer unterschiedlicher Niveaus zählt das auch für den Betrachter zur Routine -, selbst wenn sauber und brav getanzt wird, einstudiert von Maxim Abzalov (betreut 1.+ 2. Jahrgang Klassisches Ballett) und Jana Reischitz (betreut die 5. Klasse Vorbereitungslehrgang + 3. Jahrgang Klassisches Ballett): von Lisa Liendl die Passage aus Marius Petipas Paquita, Mirjana Srot jene aus Petipas/Perrots Giselle, Laura Fischer eine aus Petipas Don Quixote, Cindy Hickmann eine aus Petipas Le Corsaire. Spannender werden dann wegen des individuellen Zusammenwirkens die klassischen Gruppenausschnitte, wobei sich dabei auch Einzelne ausmachen lassen, die "heraus stechen": Bei Petipas Raymonda bzw. Hans van Manens Lieder ohne Worte ist das wegen ihres strahlenden Gesichts Victoria Nurek aus dem 2. Klassichen Ballett-Jahrgang, deren innere Freude vom Tanzen herrührt und nicht etwa eine erzwungene Grimasse auf einem Körper ist. In der grafisch-klaren Uraufführung Zweimal Bach, versetzt choreografiert von Leslie Hughes, machen sich Virginia Eckleben (3. Jahrgang Ballett Modern) und Julia Greibich (3. Jahrgang Klassisches Ballett) formvollendet professionell. Im ebenfalls von Leslie Hughes anmutig choreografierten Sommerlied zur Musik Gustav Mahlers fällt der exakte Keisuke Nejime auf, einer der raren drei Männer und Student der 4. Vorbereitungslehrgang-Klasse. Er macht sich auch in Hans Tappendorffs klassisch choreografiertem Blauer Vogel gut.

Zukunftstalent: Thien Trang Tran Than

Und Thien Trang Tran Than aus der 5. Klasse Vorbereitungslehrgang (letzter der fünf Jahrgänge für 10-19-Jährige) ist eine sich leicht bewegende und springende Colombine in Jana Reischitz Uraufführung Harlekinade, sowie in Legats Die Puppenfee. Sie ist überhaupt die Person, der man das größte Zukunftspotential zumutet: obwohl sie übermäßig klein ist, sehr dünn, mit Hüften eines Burschen (- weshalb sie wahrscheinlich so behende springt). Vor allem in der modernen Ballett-Choreografie RUSH.IT.illusion - eine Uraufführung von Patricia Mis - mit stilvoll schwarz gekleidet huschenden und quirligen Tänzern, sprüht besagte Thien Trang Tran Than in ungemein erotisch zartem Oberkörperspiel als sinnliche, reife Frau. Jemand wie sie läßt erahnen, dass diese Art von Weichheit und Eleganz wahrscheinlich nur zustande kommt, wenn man eben schon als Kind tanzt. Keine der Bachelor-Studentinnen (15-21 Jahre) hat diese einverleibte Anmut, diese übernatürliche Ausstrahlung.

(Un)stimmigste Choreografie von Patricia Mis

So gelungen jene im Gesamtabend wohl stimmigste Choreografie Patricia Mis ist, so wenig beeindruckend, wenn nicht sogar abschreckend ist ihre zweite Uraufführung mit eigener Klasse (1. Ballett Modern): Der Tod und das Mädchen. Die Tänzerinnen starren im Stil von Haute-Couture-Models widerwillig ins Publikum - das wirkt nun wirklich nicht, wenn man kein Haute-Couture-Model ist. So ereignet es sich also, dass die Sympathie gegenüber einer Person von "angetan" zu "angewidert" wechselt: die in Esther Balfes order of play gerade noch so positiv expressive Rosalie Pirker, die mit ihrem a-typisch kräftigen Körper, doch einer ungewöhnlich eindrucksvollen, von innen kommenden charakterlichen Bedeutsamkeit alle anderen in den Schatten stellt, kippt im Todesthema ins modisch Überexpressive - da hätte es also einer Hand bedurft, die das korrigiert.

Stärkste Eigenchoreografie: Alexandra Mlineritsch

Esther Balfe schöpft werkbezogen harmonischer aus dem Innenleben der Individuen: während des Kommens und Gehens von Einzelnen, Duos und Gruppen in order of play kommt der zweite Mann des Abends gentig und beweglich rüber: Florian Feik. Starke Coolness verströmt danach Alexandra Mlineritsch mit der Eigenchoreografie sandsibility, worin sie mit schlacksiger Workerhose ein tanztheatral wirkungsvolles Solo hinlegt. Femininer ist jenes von Carina Herbst zur Musik von Marylin Manson. - Beide, im Abschlußjahrgang für Modernes Ballett in der Klasse Fabiana Pastorini, wurden für diese Arbeiten ausgezeichnet. Doch Mlineritsch ist es, die dann noch einmal im Duo neben dem dritten begabten Burschen und außerordenlichen Studenten, Isaac Ferriera de Araujo, innerhalb von Pastorinis Uraufführung Los caminos de la passion virtuos auffällt.

Suggestion von Lehre nach dem Studium: Giorgio Madia

Und Choreograf Giorgio Madia, den wir aus der Wiener Ballettszene als Ex-Ballettdirektor der Wiener Volksoper schätzen, hat schließlich eine klassische Gruppen-Choreografie unter dem Titel demoiselles de paris zur Jazz-Rhythmik von Quincy Jones Les Double Six entwickelt, wobei klar erkennbar ist, wohin er damit wollte: zu einem erotisch-fröhlichen und damit leicht getanzten Mädchen-Reigen, der gleichzeitig anspruchsvolle Tanzschritte und Drehungen zu absolvieren in der Lage ist. Wahrscheinlich bedarf es dafür aber professionellerer und auch lebenserfahrenerer Tänzerinnnen. Die aus drei Tanzteilen bestehende Choreografie hatte ihr Highlight in der Mitte in revueartig-erotisch halbdunkler Lichtsetzung. Im dritten Teil ging einigen der Mädchen allerdings die Kraft und damit die Lust aus. Da nützt das ganze Lächeln nichts. - Doch, das Positive daran ist: So eine Choreografie vermittelt den künftigen Profitänzerinnen, dass sie sich - trotz fortgeschrittener Klassen - noch lange weiter bemühen und herausfordern lassen müssen, um wirklich relevant im harten Tanzgeschäft zu werden. Denn nach der Schule fängts bekanntlich erst an. - Und eines ist sicher: in einigen Jahren werden ihnen auch Giorgio Madias Korsagen besser passen! e.o.


DAS URTEIL MANCHE DIESER DARBIETUNGEN WÜRDE MAN SICH IN PROFI-PROGRAMMEN WÜNSCHEN. BESONDERS DIE CHOREOGRAFIEN MACHEN LUST AUF MEHR. UND TALENTE WIE THIEN TRANG TRAN THAN GEHÖREN FRÜHESTMÖGLICH ZWECKS TECHNIK GEFÖRDERT - DAMIT SIE SICH SPÄTER NUR NOCH AUF DEN AUSDRUCK ZU KONZENTRIEREN HABEN.

Nächste Konservatorium-Aufführung: Don´t Keep It Private * Mit: 10 Jung-ChoregrafInnen der Abteilung Pädagogik für Modernen Tanz (4. Jahrgang) * Leitung: Manfred Aichinger * Ort: Konservatorium Wien, Leonie-Rysanek-Saal * Zeit: 26.-28.4.2007: 19h30

3 comments:

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